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Gunnar Wöbke im Interview Teil 2

War es ein Risiko auf Nationalspieler wie Roller und Garris zu setzen, die aufgrund ihrer Doppelbelastung verletzungsanfälliger sind?

Neben Pascal und Nino sind auch noch Jukka Matinen, Carlos Andrade, Malick Badiane und Alex King (erweiterter Kader) aktuelle A-Nationalspieler. Die Pausen für Nationalspieler sind im Sommer zu kurz. Wir waren uns dieses Risikos immer bewusst. Das Problem National- spieler verschärft sich dadurch, dass durch ihre Abwesenheit eine ordentliche Saisonvorbereitung des Teams unmöglich ist. Das ist ein klarer Wettbewerbs- nachteil für Teams mit vielen Nationalspielern.


Dennoch war es von Beginn an das Konzept dieses Clubs, mit deutschen Nationalspielern zu spielen, weil sie auch abseits des Feldes Identifikationsfiguren sind. Sie sind die Vorbilder in unseren Jugend- und Schulpro- grammen, deren Durchführung uns sehr am Herzen liegt.

Ihre Verpflichtung aufgrund einer potentiell erhöhten Verletzungsgefahr in Frage zu stellen, ist mit unseren Konzepten nicht vereinbar. Wir müssen vielmehr dafür Sorge tragen, dass sie sich zukünftig im Sommer, bevor wir sie zur Nationalmannschaft abstellen, ausreichend erholen können. Das schulden wir sowohl den Spielern zur Gesunderhaltung ihres Körpers als auch natürlich unseren Fans und Partnern, die ein Recht darauf haben sie spielen zu sehen.


War das Team konkurrenzfähig zusammengestellt?

Darüber lässt sich trefflich spekulieren. Man kann die Frage aber auch darauf reduzieren: sind Garris, Franklin und Bahiense de Mello ein adäquater Ersatz für Ellis, der die halbe Saison verletzt war, und Panteliadis? Und sind Andrade, Milisa und Meeking, der Ende November zum Team stieß, ein gleichwertiger Ersatz für Williams? Auf dem Papier ist unser Team jedenfalls tiefer besetzt als in der vergangenen Saison. Ein sichere Antwort lässt sich für diese Saison allerdings kaum finden, da das Team, mit dem wir ursprünglich in die Saison gehen wollten, sich aufgrund von ständigen personellen Ausfällen und den dadurch nötig gewordenen Neuverpflichtungen niemals einspielen und zeigen konnte, zu welcher Leistung es in der Lage gewesen wäre.


Durch die personellen Ausfälle mussten Spieler Rollen übernehmen, die sie nicht hinreichend ausfüllen konnten. Rollenspieler wurden zu „Startern“ und blieben hinter den sportlichen Erwartungen eines Starters beim Deutschen Vizemeister zurück. Das können und werden wir ihnen nicht zum Vorwurf machen. Erst jetzt, nach der Rückkehr von Pascal, Jukka und Nino fügen sich die Puzzleteile langsam zusammen. Doch diesen Findungsprozess durchläuft man eigentlich im September, in der Pre-Season. Wir haben heute aufgrund der Verletzungen immer noch starke Defizite im individuellen Leistungsvermögen (Pascal, Nino, Jukka).


Als Faustregel gehen wir davon aus, dass ein Spieler dieselbe Zeit benötig, die er verletzt ausfiel, um wieder sein altes Leistungsniveau zu erreichen. Antonio wird vermutlich diese Saison gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Unsere Defizite als Team sind durch die nicht vorhandene Kontinuität noch größer.


Welche Konsequenzen zieht man aus dieser Saison? Muss der Club sich jetzt gar von  langfristigen Konzepten verabschieden, beispielsweise der Förderung junger Talente? Lässt sich der Weggang von Mladjen Sljivancanin in dieser Richtung deuten?

Unsere Ziele und Strategien bleiben die gleichen, das können wir versprechen. Uns geht langfristige konzeptionelle Entwicklung immer vor kurzfristigem sportlichen Erfolg. Wir investieren auch zukünftig nicht nur in die sportliche Entwicklung, sondern auch in die Marke und die Identifikation in der Region. Wir bauen auch in der Zukunft auf deutsche Spieler und den Nachwuchs.


Wir müssen allerdings Strategien erarbeiten, damit uns eine solche Verletzungsserie nach Möglichkeit nicht dermaßen aus der Bahn werfen kann. Ein Ansatz könnte sein, etwas weniger junge Spieler im BBL-Team zu haben und die Ausbildung in Bezug auf Spielminuten schwerpunktmäßig in der zweiten Liga stattfinden zu lassen. In dieser Richtung lässt sich tatsächlich der Weggang von Maki deuten, da wir uns auf der Position des Shooting Guards für Dominik Bahiense de Mello entschieden haben.


Sollte die Mannschaft die Wende doch nicht mehr schaffen und absteigen, wie geht es dann mit den DEUTSCHE BANK SKYLINERS weiter?

Wir werden, wie in den vergangenen Jahren auch einen Lizenzantrag für die Zweite Liga einreichen. Meist zwang uns in der Vergangenheit wirtschaftliche Planungsunsicherheit dazu, dieses Jahr ist es die sportliche Situation. Mehr ist zu diesem Thema bis zum Saisonende auch nicht zu sagen. Unser Fokus gilt jetzt den verbleibenden Saisonspielen.


Können Sie dieser verflixten 7. Saison überhaupt etwas Positives abgewinnen?

Abseits des sportlichen greifen unsere Programme. Wir spielen mit Zehntausenden Schülern und Studenten Basketball. Das freie Spiel für Jedermann erfreut sich großer Beliebtheit. Der vierte Company-Cup findet im Mai statt. Das Spiel in der Festhalle vor 8500 Zuschauern hat uns, trotz der Niederlage gezeigt, was hier in Frankfurt möglich ist. Das wirklich positive aber ist: Wir stecken, frei nach Lothar Matthäus, den Sand nicht in den Kopf.


In jeder Krise steckt eine Chance und innerhalb der DEUTSCHE BANK SKYLINERS Familie gibt es keine Schuldzuweisungen. Alle ziehen trotz der Brisanz der Lage an einem Strang. Sogar die Fans zeigen sich, trotz der sportlichen Krise, unglaublich leidensfähig und stehen größtenteils nach wie vor zu uns und besuchen die Spiele. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank und allen Partnern ist geprägt durch Seriosität, Transparenz, Offenheit und Kritikfähigkeit. Dies schafft Sicherheit – und damit Vertrauen, welches natürlich die Grundlage ist, Krisen zu meistern!


Wie gehen Sie mit der persönlichen Kritik um, die in der Öffentlichkeit laut wurde?

Wir hinterfragen unsere Handlungen ständig und freuen uns über Kritik, solange sie sachlich und konstruktiv ist. Wir wissen sehr genau, dass wir unser sportliches Saisonziel sowohl in der BBL als auch auf europäischem Parkett bisher weit verfehlt haben. Wir werden damit dem Anspruch gegenüber unseren Fans, unseren Partnern und natürlich letztendlich auch uns selbst gegenüber nicht gerecht. Dies müssen wir so schnell wie möglich ändern. Die letzten Spiele dieser Saison geben uns, obwohl die Voraussetzungen aufgrund der Verletzungen nach wie vor denkbar schlecht sind, die Chance dazu. Wir werden mit der Hilfe unserer Fans und Partner zukünftig auch sportlich wieder erfolgreich sein und unsere gemeinsamen Ziele erreichen.