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Aufbauspieler Dawan Robinson im Einsatz

Ehrgeiziger Familienmensch – Dawan Robinson im Gespräch

Neuzugang Dawan Robinson spricht vor dem Heimspiel gegen München (ab 18:30 Uhr LIVE auf SPORT1) lange und sehr nachdenklich über Verletzungen und den Weg zurück auf das Spielfeld, einen Autounfall, seine Art sich auf ein Spiel vorzubereiten, über das Team und Familie sowie über seinen Freund Jared Homan und das kommende Spiel gegen dessen Club, den FC Bayern München. Dabei redet er mit ruhiger Stimme, nimmt sich Zeit für seine Antworten. Man merkt, dass Dawan jemand ist, dem nicht immer alles leicht gefallen ist, der so manches Hindernis überwunden und daraus eine innere Stärke und Ruhe gefunden hat.

Hi Dawan, wie geht es dir? Ist der Jetlag schon komplett weg?

(lacht) Ja, der ist soweit weg. Mir geht es gut. Ich habe viel geschlafen, um fit zu werden.

Du bist jetzt seit ein paar Tagen hier in Frankfurt. Wie war die erste Zeit?

Was ich auf jeden Fall schon mal sagen kann ist, dass die Jungs aus der Mannschaft alle richtig gute Kerle sind. Der Trainerstab ist sehr professionell und was noch wichtiger ist: Sie verstehen Basketball und sie akzeptieren keine Fehler! Das ist sehr wichtig. Ebenso wie, dass die Coaches Verteidigung an die erste Stelle setzen. Ich habe in erfolgreichen Teams gespielt und weiß, dass dies die richtige Einstellung ist, denn die Defensive ist die Basis, sie hält dich immer im Spiel. Aber auch die gesamte Organisation des Clubs ist absolut professionell, alle kümmern sich um einen.

Kanntest du denn schon vorher einige deiner Mitspieler?

Nein, ich habe hier alle zum ersten Mal kennen gelernt. Ich habe von Zack zu seiner College-Zeit gehört, aber das war es auch schon. Aber ich kenne zum Beispiel Jared Homan von München. Er ist einer meiner engsten Freunde. Wir waren zusammen in Polen im selben Team und haben in Italien nur 30 Minuten voneinander weg gewohnt und gespielt.

Das bedeutet, dass du Zack für das Spiel gegen München ein paar Tipps geben kannst?

(grinst) Nein, nein, da mache ich mir keine Sorgen. Zack ist ein so physischer und robuster Spieler, da bin ich mir sicher, dass er gut gegen Jared spielen wird. Ich sehe ja auch wie er im Training verteidigt und spielt, da muss ich ihm gar keine altklugen Ratschläge geben. Ich weiß einfach, dass er seine Leistungen bringen wird, sowohl im Angriff, als auch in der Verteidigung. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendein Spieler Zack ´zerstören´ kann (grinst).

Dann lass uns mal ein wenig zu dir als Person kommen. Was für ein Typ bist du? Hast du Kinder? Welche Hobbies hast du?

Ich bin ein richtiger Stubenhocker und Film-Fan. Dabei kann ich meinem Körper Ruhe und Erholung geben. Ich liebe lustige Filme. Das Wichtigste ist aber, dass ich ein richtiger Familienmensch bin. Ich habe eine dreijährige Tochter. Meine Verlobte sagte mir gestern, dass meine Kleine gestern geweint hat, als sie in die Vorschule gehen sollte. Da ist es natürlich immer schwer, nicht bei seiner Familie zu sein. Aber ich weiß, dass ich hier bin, um ihr eine gute Zukunft zu ermöglichen. Außerdem bin ich ein richtiger Spaßvogel und manchmal auch ein wenig albern…

… Nenn mal ein Beispiel.

Vor den Spielen gehen einige gerne in sich und werden ruhig, ich dagegen versuche so locker wie möglich zu bleiben, so kann ich mich besser auf das Spiel konzentrieren und den Kopf freikriegen. Ich sehe mich selbst als einen Anführer, ich weiß was ich will – im Leben und auf dem Basketballfeld. Ich will immer gewinnen und weiß, dass jede einzelne Sekunde, jedes Spiel, jeder Tag, jede Entscheidung zählt und wichtig ist. Dabei versuche ich immer so hart wie möglich zu mir selbst zu sein und mich immer mehr zu fordern. Privat bin ich dann aber gerne entspannt, bescheiden und zurückhaltend.

Du hast gesagt, dass du sehr streng mit dir selbst ins Gericht gehst. Ist das etwas, dass durch deine Verletzungen [unter anderem brach sich Dawan im Laufe seiner Karriere eine Hand, dreimal das Bein und hatte einen schweren Autounfall, doch dazu gleich mehr…] noch verschärft wurde?

Eigentlich nicht. Das war schon mein ganzes Leben so. Vor allem mein Vater hat mich in diese Richtung geprägt, er hatte strenge Regeln an die ich mich halten musste. Er hat mich gelehrt niemals Ausreden für meine Taten zu suchen, insbesondere auf dem Basketballfeld.

Wie schwer ist es nach einer Verletzung wieder zurückzukommen und sich durch die ReHa zu kämpfen?

Man muss sich mental darauf einstellen. Es ist wirklich, sorry für den Ausdruck, Sch…. Es ist als ob irgendjemand die Rückstelltaste für deinen Körper und deine Karriere gedrückt. Man braucht einen wirklich starken Willen, man muss einfach zurückkommen wollen. Aber die Verletzungen haben auch den Mann aus mir gemacht, der ich heute bin. Wenn ich sie nicht gehabt hätte, dann wäre ich heute vielleicht ein Lebemann, der immer nur das leichte Leben sucht und dem Geld hinterher jagt. Aber so trage ich immer mit mir, dass ich mich neu beweisen will. Ich betrachte die Situation immer so, dass ich keine andere Chance habe und mich nichts aufhalten kann. Ich möchte meine Fußspuren hinterlassen. Vielleicht nicht als bester Spieler, aber als gute Person und guter Mannschaftskamerad. Das einzige, was mich vom Basketballspielen abhalten könnte, wäre meine Tochter.

Lass mich noch eine Frage zu dem Thema Verletzungen stellen. Du hattest diesen Mai einen schweren Autounfall in Italien. Was ist da passiert?

Wir hatten den Aufstieg in die erste Liga geschafft und danach viele, viele Termine. Von einem dieser Termine kam ich erst gegen 01:30 Uhr zurück. Ich war nicht betrunken oder irgendwie so was und habe mich gut gefühlt, als ich mich ans Steuer gesetzt habe. Aber als ich unterwegs war, bin ich müde geworden und dann ging alles ganz schnell. [überlegt einen Augenblick] Ich bin am Steuer eingeschlafen – Ja, ich weiß, dass das unentschuldbar und unverantwortlich ist, glaub mir, dass weiß ich jetzt besser als jeder andere! Mann, vielleicht wäre ich gestorben und hätte meine Tochter nie wieder gesehen oder ich hätte jemand anderen angefahren. Deswegen danke ich Gott jeden Tag, dass nichts weiter passiert ist, außer meiner Verletzung.

Wie ging es weiter?

Ich bin durch den Aufprall erst wieder wach geworden. Mein Unterarm war zertrümmert und ich hatte eine Operation, bei der der Arzt einen großartigen Job gemacht hat. Danach bin ich aber drei, vier Wochen zu früh ins Training eingestiegen, was mein Arm nicht gut vertragen und mich in der ReHa wieder zurückgeworfen hat. Aber mittlerweile ist mein Arzt selbst verwundert, wie gut mein Arm sich wieder regeneriert hat. Im Rückspiegel betrachtet, war und ist die ganze Geschichte ein kleines Wunder.

Lass uns von diesem Thema wegkommen und auf die aktuelle Saison zu sprechen kommen. Du hattest jetzt dein erstes Spiel mit dem Team - Wie kommen die Dinge für das Spiel morgen zusammen?

Ich muss noch vieles lernen. Gerade was die Raumaufteilung und meine Mitspieler angeht. Ich will lernen und wissen, mit wem ich da auf dem Feld stehe. Wer kann was machen, wo will wer den Ball haben; lauter solche Sachen. Aber auch mein Timing und an meinem Rhythmus arbeite ich noch. Bei den ersten Trainingseinheiten hat es sich noch wie in der Vorbereitung angefühlt, aber es kommt alles schneller zusammen als ich gedacht habe. Ich brenne darauf zu zeigen, was für ein Spieler ich bin. Das erste Spiel hat das nicht zeigen können.  Die deutsche Liga ist gut und es wird kein Spaziergang. Hier sind viele gute Spieler und auch im Training merkt man, dass wir gute Jungs haben. Man muss gut vorbereitet sein und immer sein ´A-Game´ zeigen.

Morgen geht es München, bei denen du ja Jared Homan gut kennst. Wie lautet dein Ausblick auf das Spiel?

Viel Kampf! Viel Verteidigung! Viel Einsatz! Ich bin mir sicher, dass sie rauskommen werden und ihr Bestes geben wollen. Aber für uns muss und kann es nur darum gehen, Spiele zu gewinnen. Mir ist egal wie, mein Hauptziel ist es zu gewinnen. Ob das Spiel hässlich ist, ob kaum Punkte fallen, ob wir nur 1 von 15 treffen – das ist mir gleich. Das einzige was zählt ist, dass wir gewinnen.

Danke für das Gespräch Dawan.

Dawan und das Team der FRAPORT SKYLINERS gegen den FC Bayern München gibt es am Samstag, den 29. Dezember, aber 18:30 Uhr live auf SPORT1 zu sehen.