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Der Ruhepol der DEUTSCHE BANK SKYLINERS

(Dienstag, 18. Oktober 2005 von Michael Lohbusch)


Mate Milisa schaut traurig in die Runde im VIP-Raum der DEUTSCHE BANK SKYLINERS. Zehn Punkte, sieben Rebounds – ein ordentliches Pflichtspieldebüt, dennoch schmerzt ihn die Auftaktniederlage (68:73) gegen WALTER Tigers Tübingen. „Das war nicht Basketball, das war ein Schusstraining. 43 Dreier in einer Partie sind zuviel. Ich war noch nie in einem Team, das so viel von außen wirft“, wundert sich der Power Forward. „So wie wir heute Abend gespielt haben, werden wir nicht mehr in diesem Jahr aussehen“, ist er sich sicher.


Emotionslos aus Überzeugung


Auf dem Parkett in der Ballsporthalle wirkt Milisa manchmal teilnahmslos, leicht unterkühlt. Ohne Emotion geht er zum Rebound, feiert nicht seine Körbe frenetisch. „Ich bin sehr ruhig, das ist meine Spielweise. Zu aggressiv zu sein, das lenkt mich von meinem Spiel ab. Mit der Erfahrung lässt man das Spiel mehr auf sich zukommen. Du wartest ab, was das Spiel dir gibt, versuchst es nicht zu erzwingen", sagt Milisa. Auch auf das Team will er wirken. „Ich versuche meine Mitspieler zu beruhigen, dabei selbst immer fokussiert zu bleiben. Ich versuche einfach meine Erfahrung weiter zu geben.“


Jüngeren Spielern gibt er aber auch einen Tipp: „Du musst du selbst sein auf dem Court, wenn du viel reden musst für dein Spiel, dann tu es. Hauptsache, du konzentrierst dich auf dein Spiel.“ Früher war er selbst aggressiver, weiß also wie wichtig dies für das Spiel sein kann.


Mein Freund, Trainer Sunara


Damals, als junger Spieler bei Cibona Zagreb, war sein jetziger Trainer schon einmal sein Coach: Ivan Sunara. „Wir sind immer in Kontakt geblieben, jeden Sommer haben wir miteinander gesprochen und auch trainiert, wenn ich nicht bei einem Team unter Vertrag stand. Während des Sommers habe ich dann oft mit seinen Teams trainiert, wir hatten also immer Kontakt“, erinnert sich Milisa. Große Unterschiede kann er zwischen heute und früher nicht ausmachen. „Auf beiden Seiten ist sehr viel Respekt, das ist wichtig. Wir kennen uns sehr genau, daran hat sich nie was geändert. Natürlich war ich damals ein Kind als er mich coachte, aber ich habe heute genauso viel Respekt für ihn wie damals“, glaubt Milisa.


Den Coaching-Stil Sunaras empfindet er als unverändert, obwohl sich der Trainer natürlich weiter entwickelt habe. Beide verbindet eine Freundschaft mit Grenzen. „Wir sind Freunde, aber im Spiel oder Training ist er mein Boss. Ich muss tun, was er sagt. Das ist mein Job. Es gibt in diesem Business nicht viel Freundschaft, die ruht in diesem Moment“, bestätigt Milisa. Mehr als von anderen Spielern verlange der Trainer nicht. „Ich habe meine Rolle im Team. Ich bin kein Spieler, der das Team auf seinen Schultern allein tragen kann und jeden Abend 25 Punkte, 15 Rebounds liefert. Ich werde solche Spiele haben, aber nicht immer. Für mich ist es wichtig, dass ich dem Team etwas geben kann, damit es eine noch bessere Leistung erbringen kann.“

„Ich lasse Spiele sprechen“


So ruhig Milisa auf dem Parkett ist, so zurückhaltend ist er im Gespräch. Zu seinen Stärken schweigt er lieber. „Ich lasse die nächsten Spiele sprechen. Ich rede nicht so gern über mich“, wehrt Milisa lächelnd ab. Über Verbesserungen in seinem Spiel redet er eher. „Rebounding ist eine der Sachen, die man immer verbessern kann. Rebounding is a will, but a skill in the same time (Rebounden ist ein Wille, aber zugleich eine Fähigkeit)”, findet er. Vorbilder, wie etwa Dennis Rodman oder Karl Malone, kennt Milisa nicht mehr, diese Zeiten seien vorbei.


Seine Zeit in Russland bei Dynamo St. Petersburg ist zu Gunsten der DEUTSCHE BANK SKYLINERS beendet. Das Leistungslevel der Ligen bewertet Milisa sehr verschieden. „Ich würde sagen 'Money talks', es gibt viele gute Spieler in Russland, die haben die zweitstärkste Liga Europas. Ich kann zwar nicht die deutsche Liga bewerten nach dem ersten Spiel, aber ich glaube nicht, dass die BBL so stark ist wie die russische Liga.“ Seine Zeit in St. Petersburg sieht Milisa eher kritisch: „Ich habe in der russischen Liga nicht so viel gespielt, vielleicht 10 oder 15 Minuten pro Partie. Ich habe hier bei den DEUTSCHE BANK SKYLINERS eine andere Rolle als dort, so dass mein Scoring-Schnitt z. B. hoch gehen sollte.“ Individuelle Ziele hat sich Milisa aber keinesfalls gesteckt: „Das Team ist das Ziel. Solange das Team Erfolg hat, bin ich zufrieden.“


Familienmensch mit verhinderter NBA-Karriere


Von Frankfurt hat Milisa wegen dem Training bislang wenig gesehen. Seine restliche freie Zeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie, Frau Ivana und seinen beiden Töchtern Maria und Lani. „Meine Familie ist das Wichtigste in meinem Leben“, bekräftigt er. Seine Basketballfamilie sind seit gut einem Monat die DEUTSCHE BANK SKYLINERS. „Die Organisation ist sehr gut, obwohl sie noch nicht sehr alt ist, keine große Tradition hat. Sechs Jahre sind keine lange Zeit, aber alle tun ihr Bestes, machen einen guten Job“, lobt Milisa das Umfeld.


Gedrückte Stimmung verspürt Milisa nur bei einem Wort: NBA. Vier Jahre spielte er am College in Amerika für die James Madison University, Pensacola und Long Beach. Doch mit der NBA wurde es nichts, trotz 18,3 Punkten pro Spiel und Conference Player of the Year (Anm.: Auszeichnung für den besten College-Spieler der regionalen Liga). „Ich hatte kein Glück, da ich zur Zeit der Pre-Season und Summercamps verletzt war. So war meine NBA-Karriere sehr kurz. Ich suchte mein Glück in Europa“, berichtet er. Mehr Glück wünschen sich die Fans der DEUTSCHE BANK SKYLINERS und Milisa für sein zweites Heimspiel in Frankfurt, am Samstag 22. Oktober um 18:30 Uhr in der Festhalle.


Links:Bilder von Mate Milisa