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Wandervogel auf der Suche nach Nestwärme

(Donnerstag, 24. August 2006 von Marc Rybicki)


Wer die Stempel in Tate Deckers Reisepass zählt, könnte auf die Idee kommen, der großgewachsene Mann mit dem offenen Blick und der sanften Stimme sei ein Diplomat. Ob China, Australien, Südamerika oder Osteuropa - es gibt kaum einen Platz der Welt, den Tate Decker nicht als Botschafter in Sachen Basketball bereiste. "Ich war überall", meint der 28-Jährige, lässt ein ansteckendes Lachen ertönen und schüttelt dabei den Kopf. Gerade so, als könne er selbst nicht glauben, wie weit ihn seine Karriere gebracht hat, die in einer kleinen Turnhalle in St. Louis begann.


Im Grunde ist das schlechte Wetter in Missouri der Grund, warum der 2,09 m Mann heute Basketball spielt. Bis zu seinem 13. Lebensjahr war er ein begeisterter Baseballspieler und träumte von einem Job als Pitcher in der Profiliga. Doch dann stand eines Tages das Baseballfeld nach heftigen Regenfällen unter Wasser und Deckers High School Team musste in eine Trainingshalle ausweichen. "Dort konnte man natürlich nicht ordentlich Baseball spielen. Der Ball sprang immer wieder von der Wand zurück. Also habe ich mir gesagt, wenn du schon einmal in der Halle bist, kannst du auch ein paar Körbe werfen. Basketball machte mir Spaß, groß war ich auch schon immer und so kam eins zum anderen."


Der Wunsch, aus dem neuen Hobby einen Beruf zu machen, entstand auf dem College, als Tate für die Missouri Tigers aktiv war, wo auch die beiden DEUTSCHE BANK SKYLINERS Neuzugänge Jimmy McKinney und Travon Bryant spielten. "Ich hoffte auf einen Platz in der NBA. Doch beim Chicago Pre-Draft Camp 2002 war ich angeschlagen und konnte nicht meinen besten Basketball zeigen." Der Youngster blieb ungedraftet und die Tür zur Elite-Liga verschlossen. Stattdessen flatterte ein lukratives Angebot vom anderen Ende der Erdkugel auf seinen Tisch.


In China ging Tate für die Shanghai Sharks auf Korbjagd. Sein Partner im Frontcourt war ein gewisser Yao Ming, heute im Dress der Houston Rockets unterwegs. "Yao ist ein netter Bursche. Ich habe ihn zwar nicht so nahe kennen gelernt, aber es hat Spaß gemacht mit ihm zu spielen". Ansonsten hat Tate Decker wenig gute Erinnerungen an seine Zeit in Asien, von seiner Vorliebe für chinesisches Essen einmal abgesehen. "Wo ich lebte, gab es gar nichts. Keine Restaurants, keine Läden, nichts. China hatte keine Infrastruktur, in der ich mich wohl fühlte."            


Ganz anders Australien. Bei der Erinnerung an den Känguru-Kontinent strahlt Tate vor Begeisterung. "Ein wunderschönes Land und die Menschen dort sind sehr nett. Ich hatte eine Menge Spaß in Australien."


Für eine Weile genoss der passionierte Pokerspieler seine Zeit als "Basketball-Wandervogel" und blieb ständig auf der Jagd nach neuen Herausforderungen. "Man hat als Spieler nur eine bestimmte Zeit, um seinen Marktwert zu erhöhen und Geld zu verdienen. Also folgt man dem besten Angebot. Wenn man jung ist und alleinstehend, geht das auch problemlos, weil man sich nur um sich selbst kümmern muss."


Als am 26. Mai 2005 die kleine Brinkley zur Welt kam, verschoben sich Tates Wertigkeiten von Grund auf. "Brinkley ist mein ein und alles. Sie ist einfach unglaublich. Doch dieses unstete Leben, das ich bis dahin geführt hatte, ist nichts für ein kleines Kind." Der Wunsch nach einem Heim für seine neue Familie ließ ihn sogar mit dem Gedanken spielen, die Basketballstiefel für immer an den Nagel zu hängen. "Ich wollte mir einen Job suchen, um zu Hause bei meinen Lieben zu sein und für sie zu sorgen. Aber das hätte mich nicht glücklich gemacht. Ich liebe Basketball zu sehr, um jetzt schon damit aufzuhören."


Der Abschied von Brinkley fiel ihm umso schwerer, da Tate inzwischen von ihrer Mutter getrennt lebt und noch nicht weiß, wann es ein Wiedersehen mit seiner Tochter geben wird. "Sie wissen noch nicht, wie schön Frankfurt ist, und dass ich in einem First Class Team spiele. Ich hoffe, sie kommen mich besuchen und ich kann ihnen zeigen, wie gut es hier läuft."


Bis Tate seine Brinkley wieder in den Armen halten kann, sind die DEUTSCHE BANK SKYLINERS seine Familie. "Ich war noch nie in einem Club, in dem ich mich auf Anhieb so gut mit meinen Teamkollegen verstanden habe. Das sind alle sehr nette Jungs. Auch Charles, Simon und Daphne strahlen so viel Leidenschaft aus und haben ein solches Wissen über das Spiel, dass man sie sofort respektiert und motiviert ist. Sie sehen dich nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch und kümmern sich um deine Sorgen. Es tut einfach gut, mit solchen Menschen zu arbeiten."    


Auf der Suche nach einer sportlichen Heimat ist Tate Decker in Frankfurt angekommen - und er wird alles dafür tun, um zu bleiben. "Ich möchte als erster in der Halle stehen und als letzter das Licht ausmachen. Ich werde hart trainieren und für das Team ackern. Um ein großartiger Teamspieler zu sein, musst du deine eigene Person hinten anstellen. Ich bin kein Typ, der nach dem Spiel zur Statistik greift, um seine Punkte und Rebounds anzusehen. Wenn ich auf die Statistik sehe, schaue ich auf die Teamleistungen. Will man 20 Punkte und 10 Rebounds machen in einem Team, das verliert? Oder will man die kleinen Dinge tun in einem Team, das gewinnt? Ich will gewinnen!"