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Johannes Voigtmann beim Sprungwurf

Überflieger mit bescheidenen Zielen

Wer sich mit Johannes Voigtmann beschäftigt, kommt an dem Begriff Überflieger nicht vorbei. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Erst vor rund fünf Jahren hat der 20-jährige Center der FRAPORT SKYLINERS mit dem Basketballspielen begonnen – und binnen kürzester Zeit eine rasante Entwicklung genommen. Nach nicht einmal dreijährigem Aufbautraining war der 2,11-Meter-Mann in der Spielzeit 2011/12 eine feste Größe im Pro A-Team von Science City Jena, ehe er den Sprung in die Beko Basketball Bundesliga wagte.

Das Video bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=QUu3UHDoP-M&feature=youtu.be

Im vergangenen Sommer wurde der Center von einigen deutschen Spitzenclubs gejagt. Vor Ort machte sich Voigtmann von den Bedingungen von vielen Vereinen einen Eindruck – und der fiel stets positiv aus. „Mir wurden überall gute Entwicklungsmöglichkeiten geboten“, erinnert sich Voigtmann und fügt hinzu: „Das Gesamtpaket in Frankfurt fand ich aber einfach am besten.“ Eine Wohnung in unmittelbarer Nähe zur Trainingshalle, Fitnessstudio mit Wellnessbereich nur einen Steinwurf entfernt – und: einen festen Platz in der Rotation eines Pro B-Teams, regelmäßiges Training in einer Bundesliga-Mannschaft verbunden mit einer realistischen Chance auf regelmäßige Einsatzzeiten. Das konnte keiner der anderen interessierten Vereine bieten und deshalb ist dem 2,11-Meter-Mann seine Entscheidung über seine sportliche Zukunft letztlich auch „relativ leicht gefallen“, wie er zu berichten weiß.

Dass Voigtmann im vergangenen Sommer derart in den Fokus vieler Vereine gerückt war, lag nicht zuletzt an seinen soliden Leistungen bei der U20-Europmeisterschaft in Slowenien. Und daran, dass er in der vergangenen Pro A-Spielzeit nach einer durchwachsenen Hinrunde seine Klasse immer öfter aufblitzen ließ und maßgeblichen Anteil am Playoff-Einzug der Saalestädter hatte. Bei den FRAPORT SKYLINERS hat der mit einer Doppellizenz ausgestattete Center einen weiteren Entwicklungsschub genommen. So ist der 2,11-Meter-Mann von Saisonbeginn an eine zentrale Säule bei den Juniors in der ProB gewesen und brachte es in 15 Einsätzen auf durchschnittlich 12,2 Punkte und 8,6 Rebounds. Aufgrund von zwischenzeitlichen personellen Engpässen durfte der Center, dessen Vater einst für den ThSV Eisenach in der DDR-Liga Handball gespielt hatte, früher als erwartet auch Bundesliga-Luft schnuppern. Mittlerweile verfügen die „Riesen vom Main“ über eine schlagkräftige Truppe, aus der Voigtmann nicht mehr wegzudenken ist. Als einer der Back-ups von Zachery Peacock fischt der Youngster, der bislang 21 Spiele im deutschen Oberhaus bestritten hat, in durchschnittlich knapp neun Minuten rund zwei Rebounds vom Brett.

„Ich hatte vor der Saison schon das Ziel, immer mal wieder ein bisschen Spielzeit im Bundesliga-Team zu bekommen“, merkt Voigtmann an, schiebt aber dann gleich nach: „Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass ich in manchen Spielen um die 20 Minuten spielen würde.“ Seine bislang beste Leistung in der Beko Basketball Bundesliga lieferte der Center Ende November beim furiosen 78:62-Sieg gegen den Deutschen Vize-Meister aus Ulm ab. In rund 19 Minuten Spielzeit brachte es der Youngster auf acht Punkte und fünf Rebounds – und das, obwohl er mit John Bryant den derzeit wohl besten Center der Liga zum Gegenspieler hatte. „Vor drei Jahren habe ich mir die Bundesliga im Fernsehen angeschaut und dachte, dass das für mich noch meilenweit entfernt ist“, wirkt Voigtmann selbst überrascht von seiner Entwicklung, die er in den vergangenen Jahren im Basketball-Dress genommen hatte. Überrascht auch deshalb, weil er zwischen seinem fünften und 15. Lebensjahr auf den Spuren seines Vaters im Handball gewesen war – und aufgrund dessen zwangsläufig Umstellungsprobleme hatte. „Mein erster Trainer in der Jenaer U16 war Lars Masell, der mittlerweile als Co-Trainer in Braunschweig arbeitet. Der hat viele anstrengende Stunden mit mir erlebt“, erinnert sich Voigtmann an seine ersten Gehversuche auf dem Basketball-Court.

Was anfangs besonders problematisch war: Die Umstellung von der mitunter rustikalen Spielweise beim Handball hin zum Basketball. „Auch an die anderen Schrittfolgen musste ich mich erst einmal gewöhnen“, berichtet der Youngster und schiebt nach: „Wer mit neun Jahren mit dem Basketballspielen beginnt, der hat das alles recht schnell drin. Ich musste das hingegen alles mühsam erlernen.“ Allzu lange brauchte der gebürtige Erlangener, der sich in Frankfurt längst pudelwohl fühlt und seine Freizeit gerne mit seinen Teamkollegen Konstantin Klein und Danilo Barthel verbringt, dafür allerdings nicht. Nach knapp einjährigem Training ging er bereits in der Nachwuchsbasketballbundesliga (NBBL) für Science City Jena auf Korbjagd, ehe er in der Spielzeit 2010/11 erstmals Pro A-Luft schnuppern durfte. Nebenbei besuchte er die gymnasiale Oberstufe und bestand vor rund einem Jahr seine Abiturprüfungen. Notendurchschnitt: 1,7. Die Allermeisten müssen dafür freilich ordentlich pauken – Voigtmann reichte hingegen ein minimaler Aufwand. „Ich brauchte irgendwie nie viel zu machen, um gute Noten zu bekommen“, erinnert sich der 2,11-Meter-Mann. „Im Unterricht habe ich immer aufgepasst und dann brauchte ich abends nicht mehr lernen – so ging das immer.“ Ursprünglich hatte Voigtmann ein Abitur mit der Traumnote 1,0 angepeilt, aber weil er nicht nur im Verein, sondern auch in diversen Jugendnationalmannschaften ordentlich eingespannt war, legte er dieses Ziel frühzeitig ad acta. „Am Ende habe ich es vielleicht etwas schleifen lassen, aber es war ja trotzdem alles noch im Rahmen.“

Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften hat der Youngster für nächstes Jahr ins Visier genommen, aber davor gilt die volle Konzentration seinem basketballerischen Feinschliff. „Im athletischen Bereich muss ich mich deutlich verbessern. Außerdem werde ich im Sommer verstärkt an meinem Post-Play arbeiten“, so Voigtmann, der abseits des Basketballfeldes ein eher ruhiger Zeitgenosse ist. Auf dem Parkett ist der 2,11-Meter-Mann hingegen mitunter sehr emotional, impulsiv – und: Er sucht gerne mal den Dialog mit seinem Gegenspieler. „Das gehört für mich zum Basketball dazu.“ Aber nicht nur wegen seiner Vorliebe für Trash-Talk wird der 20-Jährige manchmal mit der deutschen Center-Legende Patrick Femerling verglichen. Ähnlich wie der „Sockenmann“ wirkt Voigtmann nicht unbedingt explosiv, überrascht aber seine Gegenspieler immer wieder mit schnellen Bewegungen im Low Post. Eine Art Vorbild war der deutsche Rekordnationalspieler aber nie. Vielleicht auch deshalb, weil sich dessen Karriere dem Ende neigte, als die von Voigtmann ihren Anfang nahm.

Ohnehin ist der gebürtige Eisenacher aber nicht der Typ dafür, sich an einzelnen Bewegungsabläufen von Basketball-Legenden zu orientieren. „Wie wahrscheinlich jeder junge deutsche Spieler finde ich Dirk Nowitzki richtig gut“, erzählt Voigtmann, betont aber: „Ich versuche nicht, mir etwas von ihm abzukupfern, denn ich will meinen eigenen Weg gehen.“ Zu einem soliden Bundesliga-Spieler will sich der Youngster mittelfristig entwickeln. Ein ziemlich bescheidenes Ziel, wenn man bedenkt, dass ihm von vielen Experten die ganz große Karriere prophezeit wird. Aber daran verschwendet der gebürtige Erlangener keinerlei Gedanken. „Ich tue mich schwer damit, mir hohe Ziele zu setzen, weil man dann enttäuscht werden kann.“ Wenn seine Entwicklung zumindest annähernd im bisherigen Tempo weitergehen sollte, dann dürfte das auch bei etwas höheren Zielen höchst unwahrscheinlich sein.