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Reich an Erfahrung

(Freitag, 30. März 2007 von Marc Rybicki)


Was haben E.T., der Außerirdische, und unser Point Guard gemeinsam? Beide telefonieren liebend gerne nach Hause! Jeden Tag hängt Jemeil Rich an der Strippe und ruft seine Familie in Dallas an. Sohnemann Jemeil jr. und Töchterchen Chelsea freuen sich immer über eine Nachricht von ihrem Daddy, der im fernen Frankfurt an sie denkt. „Als meine Tochter vor elf Jahren geboren wurde, hat das mein Leben komplett verändert. Meine Welt bekam einen neuen Fokus. Ich arbeite seitdem noch härter“, erklärt der stolze Familienvater, der einen Traum lebt, den viele Jugendliche haben: mit Basketball den Lebensunterhalt verdienen.


Jemeil Rich hat in seiner Heimatstadt viele Kids gesehen, die den Weg bis ganz nach oben schaffen wollten. Jungs, die sehr viel Talent aufwiesen und es weit hätten bringen können. Doch in Gary, im US-Bundesstaat Indiana, gibt es für Jugendliche viele Versuchungen. „In dieser Stadt aufzuwachsen, ist für die überwiegend schwarze Bevölkerung nicht leicht. Es gibt sehr viel Armut und nicht viele Möglichkeiten, aus seinem Leben etwas zu machen.“ Jemeils Cousin, der ihn mit acht Jahren zum Basketball brachte, war einer dieser begnadeten Streetball-Spieler in Gary. „Er war nur ein Jahr älter als ich, aber es war eine Freude ihn spielen zu sehen. Der Junge hatte Riesenfähigkeiten und wäre mit Sicherheit ein guter Profi-Spieler geworden. Doch er hat einen anderen Lebensweg eingeschlagen.“


Jemeil war da zielstrebiger, bestärkt durch seine Eltern und Großeltern, die immer zu ihm standen. Der junge Mann mit der sanften und freundlichen Stimme lernte, sich durchzubeißen und Rückschläge zu akzeptieren. Als er nach dem College nicht sofort einen Profi-Vertrag bekam, hielt er sich unter anderem mit Gelegenheitsjobs in einer Auto-Waschanlage über Wasser. Auch nachdem der Traum von der NBA gleich zweimal zerplatzte – 2002 strichen ihn die New York Knicks, 2004 die Orlando Magic kurz vor Saisonstart aus dem Kader – behielt Jemeil den Kopf oben. „Natürlich ist man erst ein wenig enttäuscht. Aber ich spielte gegen und trainierte mit genügend NBA-Spielern, um zu wissen, dass diese Entscheidung nichts mit meinem Talent zu tun hatte“, erklärt der 32-Jährige selbstbewusst.


Nach Kapitän Ibrahim Diarra (33) ist Rich der älteste Spieler im Team der DEUTSCHE BANK SKYLINERS. Head Coach Murat Didin hat in dem 1,76 m großen Spielmacher sofort eine Führungspersönlichkeit gesehen, die ihre Erfahrung weitergeben soll. Nicht von ungefähr ordnete Didin an, dass Rich das Hotelzimmer beim Auswärtsspiel in Bonn mit dem zehn Jahre jüngeren Miro Todic teilen solle. „Man muss sich immer wieder klar machen, dass wir alle sehr privilegiert sind. Viele wünschen sich, mit Basketball ihr Geld zu verdienen. Doch das ist keine Sache, die einem in den Schoß fällt. Talent reicht nicht. Man muss dafür arbeiten – jeden Tag. Ich habe einige Freunde gehabt, die viel talentierter waren als ich. Aber ich habe härter gearbeitet. Das ist es, was ich auch nach meiner Karriere gerne jungen Spielern beibringen möchte.“


Aber das hat noch Zeit, denn auf dem Feld agiert „J-Rich“ wie ein 25-Jähriger. Flink auf den Beinen und auch schnell im Kopf. Sieben Assists, fünf Rebounds und sieben Punkte gegen Braunschweig. Elf Zähler, fünf Assists und vier Rebounds in Bonn. Wenn Jemeil zum Korb zieht oder seine Teamkollegen mit einem gekonnten Zuspiel bedient, sieht jeder: hier erledigt ein echter Point Guard seinen Job. „Seit ich Profi bin, spiele ich Point Guard - und ich liebe es. Auf keiner anderen Position, ist man so sehr am Spielgeschehen beteiligt.“


Gegen Frankfurts Meister-Regisseur Pascal Roller hat Jemeil Rich bereits gespielt. An den Gedanken, ob er nächste Saison eventuell mit Roller die Fäden im Aufbauspiel der Hessen ziehen könnte, verschwendet der clevere Playmaker keine Sekunde. Die Konzentration gilt allein der bevorstehenden Aufgabe: dem Kampf um die Play-offs. „Der Druck ist groß, aber genau das mag ich. Wenn so viel auf dem Spiel steht, macht es erst richtig Spaß.“


Auch wenn Jemeil Rich schon viele hundert Spiele hinter sich gebracht hat, so ist er doch vor jedem Tip-off aufs Neue nervös. Im Geiste stellt sich der „Magic“ Johnson Fan dann noch einmal alle möglichen Spielzüge vor, atmet tief durch und taucht ein in die Atmosphäre, die für ihn nur ein Basketball-Spiel mit sich bringt. „In dem Moment, in dem der Ball fliegt, ist alles andere zweitrangig. Man geht raus und tut, was man tun muss, um zu gewinnen.“   


Links:   Porträt von Jemeil Rich