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"Ich war das Herz und das haben sie rausgerissen"

(Quelle: Sport1)

Wenn man Basketball-Fans in Deutschland nach den bekanntesten und beliebtesten Spielern der s.Oliver BBL fragt, fällt immer noch ein Name: Wendell Alexis.

Dabei spielt der "Iceman" seit dieser Saison gar nicht mehr in der deutschen Elite-Liga. Nach sechs Jahren und sechs Meister-Titeln beim Abonnement-Champion ALBA Berlin wechselte Alexis im vergangenen Sommer nach Griechenland zu Paok Thessaloniki.

In den Köpfen der Zuschauer ist der 39-Jährige aber noch sehr präsent: Keiner verwandelte so eiskalt und abgeklärt die entscheidenden Würfe wie Alexis. Er war der Kopf der Berliner Mannschaft und einer der absoluten Topstars der s.Oliver BBL.

Sport1 sprach mit Alexis über seinen Weggang und die Entwicklung von ALBA, über Führungsqualitäten und über seine persönlichen Ziele. (Würde Alexis in das aktuelle ALBA-Team noch hineinpassen? Jetzt im Basketball-Forum diskutieren!)

Sport1: Herr Alexis, seit Ihrem Wechsel nach Griechenland ist es still um Sie geworden...

Wendell Alexis: Ja, leider. Ich war schon lange nicht mehr in Deutschland, obwohl ich es sehr vermisse. Aber ich hoffe, dass ich bald mal wieder in meine "Heimat" zurückkehren kann.

Sport1: Ihre Heimat? Sie sind doch Amerikaner...

Alexis: Ich bin in den USA geboren und aufgewachsen, aber ich fühle mich auch in Berlin zu Hause. Nach sechs Jahren habe ich diese Stadt einfach so lieb gewonnen, dass es eine zweite Heimat für mich ist.

Sport1: Und warum haben Sie Berlin dann überhaupt verlassen?

Alexis: Weil ALBA Berlin leider nicht mehr mit mir geplant hat. Und dann habe ich mir eben einen anderen Verein gesucht.

Sport1: Sie waren immer noch einer der absoluten Leistungsträger von ALBA. Warum hat man dann nicht mehr mit Ihnen geplant?

Alexis: Der Verein wollte ein neues Team aufbauen. Eine junge Mannschaft mit neuen Talenten, eine Mannschaft mit Zukunft, so sagte man mir. Also musste ich Platz machen.

Sport1: Konnten Sie diese Maßnahmen nachvollziehen?

Alexis: Ich respektiere diese Entscheidung. Aber ich bedaure, dass ich nicht weiter für ALBA spielen kann. Ich hätte meine Karriere gerne in Berlin beendet.

Sport1: Inwieweit verfolgen Sie noch ALBAs Spiele nach Ihrem Weggang?

Alexis: So gut ich kann. Ich informiere mich regelmäßig über die Spiele. Kontakt habe ich noch zu Henrik Rödl und ein paar anderen, die mir erzählen, wie es so läuft.

Sport1: Bisher läuft es allerdings noch nicht so rund. In der s.Oliver BBL hat ALBA ein paar vermeintlich leichte Spiele verloren und in der Euroleague kam das Aus für ihr Ex-Team schon in der Vorrunde.

Alexis: Das wundert mich überhaupt nicht. Ein Schiff ohne Kapitän kommt auch nicht weit.

Sport1: Was meinen Sie damit konkret?

Alexis: Jede Mannschaft braucht einen Anführer, also einen Spieler, der seine Mannschaft leitet und der ihr die Richtung zeigt. Der in entscheidenden Phasen den Ball fordert und Verantwortung übernimmt. Ich war das Herz der Mannschaft und das haben sie rausgerissen.

Sport1: Aber mit Henrik Rödl, Marko Pesic oder Quadre Lollis gibt es doch noch weitere Spieler, die Verantwortung tragen können...

Alexis: Natürlich sind das sehr gute Spieler. Aber eine Mannschaft anzuführen, ist eine Aufgabe, in die man nur mit der Zeit hineinwächst. Jahrelang konnten sich alle darauf verlassen, dass ich da bin und jetzt müssen sie sich erstmal umstellen. Das dauert.

Sport1: Es liegt also am Mangel von Führungsspielern, dass ALBA in der Euroleague nicht weit gekommen ist?

Alexis: Es ist einfach schwer, mannschaftlich geschlossen aufzutreten, wenn das Team auf vielen Positionen neu besetzt wurde. ALBA spielt jetzt mit mehr jungen und unerfahrenen Spielern und die müssen erst noch lernen, auf europäischem Niveau zu bestehen.

Sport1: Sie sehen sich selbst als Führungsspieler. Was geben Sie an junge und unerfahrene Spieler weiter?

Alexis: Ich habe in meiner Zeit bei ALBA immer viel mit den Nachwuchsspielern geredet. Das wichtigste ist, dass sie an sich glauben und nie aufgeben. Auch wenn man einen wichtigen Wurf vergibt, darf man nicht den Kopf hängen lassen. Selbstbewusstsein ist entscheidend. Nur wer immer weiter versucht, sich zu verbessern, verbessert sich auch.

Sport1: Sie scheinen der Berliner Mannschaft emotional noch sehr verbunden zu sein. Würden Sie zu ALBA zurückkehren, wenn man Sie darum bitten würde?

Alexis: Nein. Es stimmt, dass ich noch an ALBA hänge, denn immerhin war der Klub lange Zeit Teil meines Lebens. Aber ich habe das abgehakt, sie planen nicht mehr mit mir und das ist okay.

Sport1: Und wie würden Sie auf ein Angebot eines anderen deutschen Klubs reagieren?

Alexis: Ich würde sehr gerne in die s.Oliver BBL zurückkehren. Ich mag die Liga, das Land und die Leute. Ich würde gerne wieder in Deutschland leben.

Sport1: Gibt es einen Klub, den Sie bevorzugen?

Alexis: Köln gefällt mir sehr gut. Für die würde ich gerne spielen.

Das Gespräch führte Sarah Beckmann von Sport1