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Gekommen, um zu helfen - Darren McLinton im Porträt

(Mittwoch, 28. Dezember 2005 von Marc Rybicki)


Darren McLinton hat flinke Finger. Mit einer kaum erkennbaren Bewegung luchst der amerikanische Point Guard seinem puertoricanischen Kontrahenten Filiberto Rivera den Ball ab, sprintet Richtung Korb und schließt mit einem Lay-up zur 10:6 Führung der DEUTSCHE BANK SKYLINERS ab, aus deren Fankurve daraufhin zum ersten Mal der Name des neuen Frankfurter Aufbauspielers ertönt. Später, im dritten Viertel, als er per Dreier zu erneuten 49:46 Führung trifft, rufen sie ihn wieder: "Unsere Nummer 12, das ist..." - nicht mehr Chris Williams, sondern Darren McLinton!


Bei seinem Debüt im Dress der "Mainhattan Giganten" trifft McLinton fünf von elf Würfen, verteilt sechs Assists und verliert viermal den Ball. Ein Einstand, der Lust auf mehr macht. Coach Ivan Sunara ist mit seinem Schützling, den er in der Saison 2003/2004 bereits in Ljubljana betreute, sehr zufrieden. Das Heimspiel gegen die Artland Dragons geht an diesem 2. Weihnachtsfeiertag trotzdem verloren, unglücklich mit 69:73.


"Ich kann nicht zufrieden sein, weil wir verloren haben. Dabei hatten wir das Spiel schon in der Hand. Wir brauchen jeden Sieg, um den Einzug in die Play-offs noch zu schaffen", lautete das erste Fazit des 31-jährigen Ex-Kölners, dessen Physiognomie ein wenig an Jerry Stackhouse erinnert. Der Guard der Dallas Maverick ist abseits des Feldes für seine Piranha-Zucht bekannt.


Ähnlich ausgefallene Hobbys hat Darren McLinton nicht vorzuweisen. Seine Freizeit verbringt er am liebsten ganz beschaulich vor dem Fernseher oder dem Computer beim Internet-Surfen mit seiner Frau Donnea. Seit Juli sind die beiden ein Paar, im Mai kommt ihr erstes Baby zur Welt. "Die Ärzte sagen, es wird zu 90 Prozent ein Mädchen. Ich freu` mich schon unheimlich darauf", berichtet der werdende Vater stolz, der selbst auch im Wonnemonat das Licht der Welt erblickte, am 2. Mai 1974 in Washington.


Dort stand Darren im zarten Alter von sechs Jahren erstmals in einer Turnhalle und dotzte einen orangefarbenen Lederball über das blankgescheuerte Parkett. Die Liebe zum Basketball liegt in der Familie. Sein drei Jahre älterer Bruder Kevin ist High School Coach in Washington. McLintons größtes Idol war und ist Vater Harold "Tank" McLinton. Elf Jahre lang spielte er als Linebacker bei den Washington Redskins in der Football-Profi-Liga NFL und stand 1972 gegen die Miami Dolphins sogar im Super Bowl Finale, bis ihn ein tragisches Unglück das Leben kostete. Harold McLinton hatte seinen Wagen gestoppt, um den Opfern eines Unfalls zu helfen und wurde dabei von einem vorbeifahrenden Auto erfasst. Nach 30 Tagen im Koma starb der Star der Redskins am 31. Oktober 1980 im Alter von nur 33 Jahren. 


Während Darren McLinton in leisen Worten über diese Zeit spricht, spürt man, wie ihm der frühe Verlust des Vaters noch heute nahe geht. Mit seiner Mutter Agnes, die noch immer in Washington lebt, hält Darren engen Kontakt - meist per Telefon, denn seit er vor rund zehn Jahren seine Profilaufbahn begann war der 1,82 m große Athlet selten zu Hause.


Von Griechenland bis zur Dominikanischen Republik bereiste Darren McLinton die Welt in Sachen Basketball. Die stärksten Erinnerungen verbindet er mit Russland (2004/2005 bei Ural Great Perm) und China. Die Guang Zhou Rams waren 1996 seine erste Station außerhalb der USA. "Das war ein Kulturschock, genau wie später in Russland. Die Lebensweise der Menschen in Asien ist mit der unseren nicht zu vergleichen. Diese Betriebsamkeit auf den Straßen, die vielen Menschen auf ihren Fahrrädern in den engen Gassen - das alles hat mich damals sehr beeindruckt. Und es war sehr lehrreich. Durch meine Aufenthalte in den verschiedensten Ländern habe ich viel über Menschen gelernt. Im Grunde sind wir doch alle gleich. Auch wenn unsere Sprache und unsere kulturellen Gepflogenheiten sich unterscheiden mögen, haben wir doch dieselben Bedürfnisse und Wünsche."


Der studierte Kommunikationswissenschaftler sieht seinen Trip rund um den Globus als eine typische Karriere für einen Amerikaner, der in der NBA nicht Fuß fassen konnte und sein Glück im Ausland versucht. Auch McLinton hat an die Tür zur Elite-Liga geklopft. 1999 spielte er für die damals noch in Vancouver angesiedelten Grizzlies in der Summer League, konnte sich aber nicht durchsetzen. "Ich habe während meiner Laufbahn viele Jungs aus den Staaten mit einem ähnlichen Werdegang getroffen. Sie spielen in diesem Jahr hier, im nächsten Jahr woanders, überall auf der Welt. Das ist nicht immer einfach, aber spannend. Ich bin ein Typ, der sich schnell anpassen kann."


Der Wechsel von der slowenischen Liga, wo er in der letzten Saison 15 Spiele für den Champion Olimpija Ljubljana absolvierte, in die Bundesliga fiel McLinton nicht schwer. "Hier wird guter Basketball gespielt. Es sind viele Spieler von hoher Qualität in den Clubs. Ein paar der Jungs kannte ich auch schon von früher,  zum Beispiel Tyron McCoy aus Oldenburg. Gegen den habe ich schon auf dem College gespielt." Nach dem Wechsel von Köln nach Frankfurt ist Darren McLinton auch schon mit seinen neuen Teamkameraden in Frankfurt warm geworden. "Es macht Spaß mit den Jungs. Ich freue mich, hier zu sein. Die Team-Chemie stimmt."


In den kommenden Partien will der Playmaker noch ein wenig an der Harmonie auf dem Parkett feilen. "Ich habe in meinem ersten Spiel einige No-Look-Pässe gespielt, bei denen das Timing nicht richtig war. Für solche Einlagen kennen wir unsere Laufwege einfach noch nicht gut genug. Das waren vermeidbare Ballverluste, die sich in den nächsten Spielen aber sicherlich in Punkte verwandeln, wenn wir uns besser aufeinander eingestellt haben."


McLinton ist ein selbstbewusster Typ, der nicht ungern im Rampenlicht steht. So kann er sich nach der aktiven Karriere einen Job als Kommentator im Sportfernsehen vorstellen. Mit seinem Studium hat McLinton langfristig vorgesorgt. Sein Platz als Spielmacher in der Starformation der DEUTSCHE BANK SKYLINERS ist indes nur auf Zeit. Wenn Kapitän Pascal Roller im Januar zurückkehrt, wird McLinton die Back-up Position einnehmen. Auch das, so betonte der Amerikaner in einem Zeitungs-Interview, sei kein Problem für ihn. "Es ist das Team von Pascal Roller. Er ist der Anführer. Ich will nur helfen."