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Letztes Spiel: 82:90 Sa 07.03. in Gießen Bericht

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Finaltagebuch Tag 6

Unser Mann im Teamhotel, Marcel Friederich, bringt jeden Tag frische Einblicke und Hintergründe in die Abläufe und Geschehnisse rund um das Team während des Finalturniers in München. Heute gibt es schlechte Situationskomik, provokante Fragen und es wird gegrillt.

Mittwoch, 10. Juni 2020
7.45 Uhr


Heute ein ganz klein wenig länger schlafen. Gestern Nacht war‘s etwa 2 Uhr. Also fast 6 Stunden. Turnier-Höchststand.

8.15 Uhr

Beginn des Frühstücks, heute optional. Bin noch auf meinem Zimmer, Raum 136. Spitze die Ohren. Wenig Bewegung auf unserem Flur. Viele nutzen die Möglichkeit, um etwas auszuschlafen.

8.40 Uhr


Breche auf, verlasse mein Zimmer. Aus der Tür gegenüber kommt Aaron, unser Center. Gestern Abend hatte er ein Instagram-Foto von der Dartscheibe gepostet, die sich im Hotel-Untergeschoss befindet. Frage ihn, wie es lief. Er erzählt: „Haben gegen ein paar Ludwigsburger gespielt, unter anderem WoBo.“ Die Ludwigsburger, gegen die sich unsere Jungs kurz davor noch auf dem Parkett duelliert hatten.

8.45 Uhr

Im Speisesaal angekommen. In unserer Ecke: Nur Akeem und Assistant Coach Klaus. Ein paar weitere trudeln langsam ein.

9.00 Uhr

Treffpunkt in der Lobby mit Len, unserem Youngster. Gegen Ludwigsburg hatte er sieben Punkte erzielt, bisheriger Topwert. Gute Gelegenheit, dass er heute unseren Instagram- und Twitter-Account übernimmt.

9.05 Uhr

Starten einen Rundgang durchs Hotel. Lobby, Lounge-Bereich, Snackbar, „Game-Zone“, wo es die Dartscheibe und weitere Sport-Angebote gibt. Len erzählt, dass er sich am liebsten mit Bruno duelliert. An der Tischtennisplatte.

9.08 Uhr

Wer ist besser an der Platte? Starte ein Instagram-Umfrage. 74 Prozent tippen: Len!

11.25 Uhr

Treffen uns im Stretching-Raum, dem „Royal Ballroom“ im Untergeschoss. Eine halbe Stunde lang dem Körper etwas Gutes tun. Bruno und Len stehen hinten rechts in der Ecke, um sich eine Gymnastikmatte zu holen. Wer ist denn nun der Bessere im Tischtennis? Bruno grinst: „Du musst mal den Len fragen. Aus meinem Mund wird das nicht kommen. Da bin ich ein Ehrenmann.“ Len grinst ebenfalls und sagt: „Bin der Sieger der Herzen …“

11.55 Uhr

Das Stretching geht noch fünf Minuten, muss allerdings schon los mit Richard. Um 12 Uhr ist er zu Gast im Livestream der Liga. Wir gehen raus aus dem „Royal Ballroom“, haben dann zwei Optionen. Geradeaus, dann die Treppe hoch, etwa 30 Stufen. Oder direkt rechts um die Ecke, per Aufzug. Was machen wir? „Alte Sportler-Krankheit, lass uns mit dem Aufzug fahren …“

12.15 Uhr

Mittagessen. Richard steht neben Bennet Hundt. Der Göttinger schaufelt Richi ein paar Kartoffel-Hälften auf den Tellern. Ich stehe daneben und sage schmunzelnd: „Assist!“ Bennet grinst zurück und meint: „Bekommst Du es selbst hin, oder soll ich dir auch helfen?“

12.20 Uhr


Am Tisch angekommen. Direkt Beschwerde eingelegt bei meinem Finnisch-Lehrer Daniel: Haben gestern Abend das Wort des Tages vergessen. Daniel sagt ein Wort, das ich mir von ihm aufschreiben lassen muss: Rynnäkkökivääri. Bedeutet: Sturmgewehr. Bin ein wenig verdutzt, ziehe die Augenbrauchen hoch. „Keine Sorge“, sagt Daniel, „der Inhalt ist egal, geht nur um den Klang des Wortes“.

12.50 Uhr

Bekannte Klänge ertönen. Eine Hotel-Angestellte, die sich mit in Quarantäne befindet, schiebt einen kleinen Wagen in unsere Ecke. Darauf steht eine Torte. Und eine Musikbox. Es läuft Stevie Wonders „Haaaaappy Birthday to you …“ Der Adressat: Greg, unser Athletiktrainer, der heute 30 wird. Greg springt auf, lässt die Hüften kreisen, tanzt zur Musik. Die Jungs applaudieren, lachen, singen lautstark mit. „Haaaaappy Birthday to you …“

13.00 Uhr

Termin mit Marco, treffen uns in meinem Zimmer. Drei Dinge sind zu erledigen. Ein Video für unsere Pre-Game-Show. Ein Promo-Aufsager für eben jene Show. Außerdem ein Audio-Interview für den HR-Hörfunk. Andere würden murren. Marco ist locker drauf. Wir beginnen über Fußball zu quatschen, über den DFB-Pokal, über den Finaleinzug von Leverkusen. Den Klub seines Vaters Rudi. Auch sein Lieblingsklub. Marco erzählt, wie er als kleiner Junge in Italien lebte, als sein Vater für AS Rom spielte. Dass er als Jugendlicher noch Fußball spielte bei den Kickers Offenbach.

13.30 Uhr

Quatschen immer noch über Fußball. War sonst noch was?

13.35 Uhr


Achso, ja. Die drei Dinge, die wir erledigen müssen. Machen wir flott.

14.15 Uhr

Steigen in den Bus Richtung Training, Richtung FC Bayern Campus. Dauert vom Hotel aus 20 Minuten. Diese Zeit nutze ich in der Regel, um Social-Media-Inhalte zu posten und Tagebuch-Notizen in mein Handy zu tippen. In welche Richtung wir geographisch fahren? Wo sich das Trainingsgelände befindet? Keine Ahnung. Schaue die 20 Minuten nie aus dem Fenster, nur auf mein Handy.

14.35 Uhr

Steigen aus, rein in die Trainingshalle. An der Seite stehen Stühle, auf denen die Jungs ihr Zeug ablegen. Rücksäcke, Jacken, Schuhe, Gesichtsmasken. Positioniere mich direkt hinter den Stühlen, knipse von dort aus Bilder. Assistant Coach Klaus macht den Spielern klar, welchen Vechtaer man werfen lassen soll, wen hingegen bloß nicht. Konkrete Namen dazu? Schreibe ich hier natürlich nicht. Falls jemand in Vechta das Tagebuch lesen sollte …

16.05 Uhr

Rückfahrt ins Hotel. Heißt: 20 Minuten Handy.

17.00 Uhr

Zurück im Hotel, rein in den Fahrstuhl. Zusammen mit Leon, 2,12 Meter, und Marco, 1,98 Meter. Ich? 1,83 Meter. Schaue hoch zu den beiden, sage: „Mit euch wollte ich schon immer mal Fahrstuhl fahren. So klein fühl ich mich ja sonst nie …“ Als ich’s ausgesprochen habe, denke ich mir: Ganz ehrlich, was für ein blöder Spruch. Vermeintlich witzig sein und bei Basketballern auf die Größe anspielen. Was für ein Blödsinn. Hören die beiden eh genug, muss ich doch nicht auch noch …

17.10 Uhr

Video-Interview mit Joe für die Pre-Game-Show. Mal wieder helfen die zwei 0,5-Liter-Wasserflaschen, um die Handy-Halterung zu stabilisieren.

17.55 Uhr

Stehe bei uns im 1. Stock am Fahrstuhl. Der Headcoach kommt um die Ecke, springen zusammen in den Aufzug. „Mit dir bin ich während der Tage noch nie im Fahrstuhl gefahren“, sage ich zu Sebastian, der antwortet: „Hast du direkt was für dein Tagebuch.“ Okay, so spektakulär ist’s ja doch nicht. Aber wenn der Headcoach es will, muss es rein.

18 Uhr

Videoanalyse. Sitze diesmal ganz hinten rechts. Erledige Social-Media-Kram und mache mir Tagebuch-Notizen, mal wieder. Was Klaus zum kommenden Gegner sagt, die Stärken und Schwächen von RASTA Vechta, ihre Spielweise, das entscheidende Personal – ähm, ja, nicht so viel mitbekommen.

18.30 Uhr

Abendessen, heute Mal anders. Jedes Team darf einmal pro Turnier ein Barbecue veranstalten. Jetzt sind wir an der Reihe. Teambetreuer Jannis steht am Grill, haut Steaks, Bratwurst und Gemüse drauf. Wichtigster Mann.

19.15 Uhr

Sitze in einer Ecke mit den Amis Joe und Matt, dazu der neue Litauer Gytis. Mein erster Gedanke: Wird eine eher stille Ecke. Weit gefehlt. Joe und Matt starten zu trashtalken, wo es in den Staaten am besten ist. Joe argumentiert für seine Heimat Kalifornien, direkt an der Westküste gelegen, Matt für Dallas, wo er herkommt. Gytis mischt sich ein und fragt: „Welches Nachbarland hasst ihr Amerikaner eigentlich mehr? Mexiko oder Kanada?“

19.50 Uhr

Bevor Headcoach Sebastian auf sein Zimmer geht, teilt er den Scouting-Report für das Vechta-Spiel aus. Etwa zehn Seiten pro Person, für jeden zusammengeklammert. Über die entscheidenden Plays, taktische Kniffe. Über jeden einzelnen Spieler, dessen Statistiken im Turnier. Sebastian gibt mir keinen Scouting-Report in die Hand, was ja völlig richtig ist. Dennoch fände ich es interessant mal reinzuschauen. Finnisch-Lehrer Daniel schiebt mir das Dokument rüber. „Aber bloß nicht hier in der Lobby rumliegen lassen, damit sich Vechta einlesen kann“, sagt Daniel. Ich blättere durch die Seiten und gebe ihm den Scouting-Report wieder zurück. Sicher ist sicher.

20.45 Uhr


Video-Interview mit Physio Flo für die Pre-Game-Show. Zwei Wasserflaschen, Handy-Halterung, ihr wisst ja schon.

22.20 Uhr


Ein Schwung Social-Media-Posts geht raus. Len hat sich echt gut geschlagen, gibt spannende Einblicke ins Hotel-Leben.

22.25 Uhr

Ein Jubelschrei auf unserem Flur, als die Eintracht das 1:1 gegen Bayern schießt. Tippe mal, dass es Greg war.

22.50 Uhr


Auf geht’s ans Tagebuch.

1.59 Uhr

Diese Worte werden soeben geschrieben. Ganz, ganz schnell ins Bett. Fit sein für Vechta. Mit neuem Turnier-Höchststand für den Schlaf? Wohl kaum, um 8.15 Uhr ist Frühstück. Diesmal verpflichtend.