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Letztes Spiel: 82:90 Sa 07.03. in Gießen Bericht

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Finaltagebuch Tag 4 - "Sieht nach Arbeit aus"

Unser Mann im Teamhotel, Marcel Friederich, bringt jeden Tag frische Einblicke und Hintergründe in die Abläufe und Geschehnisse rund um das Team während des Finalturniers in München. An Tag 4 kommt zum ersten Mal Hektik bei ihm auf. Text, Bilder, Videos, Podcast - Marcel ist als wahres Medienbiest unterwegs. Und spät wird es auch wieder...

Montag, 8. Juni 2020
6.15 Uhr


Kein grauenvolles Piepen. Bin vor dem Wecker-Läuten wach. Wurde gestern Nacht doch wieder später, bis alles geschrieben und gepostet war. Etwa 1 Uhr war’s. Trotzdem reichen mir nun fünf Stunden Schlaf. Würde sagen: Turnier-Form.

6.25 Uhr


Hab den Fernseher angeschaltet. Morgenmagazin. Auf dem Bildschirm der sehenswerte Richard-Dunk vom Berlin-Spiel. Am Ende zwar nichts Zählbares gegen ALBA. Dafür ein schönes Highlight im deutschlandweiten Fernsehen.

8.15 Uhr

Frühstücks-Zeit. Jeder hat feste Sitzplätze, bisher zumindest. Sitze gegenüber von Assistant Coach Daniel. Wir haben uns ein Ziel gesetzt: Jeden Tag bringt er mir ein neues Wort auf Finnisch, seiner Heimatsprache, bei. Gestern war’s: Kananmuna. Bedeutet: Ei. Gibt’s jetzt auch wieder bei mir. Rührei mit Schnittlauch.

9.05 Uhr


Laufe mit Headcoach Sebastian durch die Lobby, peilen den Aufzug an. Kommen beide ins Plaudern, sprechen über dies, sprechen über das. Den Saisonverlauf. Spielercharaktere. Die außergewöhnliche Turniersituation. Bleiben in der Ecke der Lobby stehen. Und merken plötzlich, dass es schon Viertel vor zehn ist, wir über eine halbe Stunde gequatscht haben.

9.50 Uhr

Bin kurz auf meinem Zimmer, Raum 136, die ersten Postings gehen auf unseren Kanälen raus. Heute in der Hauptrolle: Athletikcoach Greg. Oder auch: der Usain Bolt unter den Athletiktrainern der BBL. Wie er während des ALBA-Spiels in Hotel raste, um die Reseverschuhe von Tez zu holen? Schon jetzt legendär.

10.30 Uhr

Treffpunkt: der „Royal Ballroom“. Anlass: Team-Stretching, „damit die Blut-Zirkulation angeregt wird, dass die Jungs frisch sind und frische Beine haben“, sagt Greg und grinst: „Damit sie nicht nur den ganzen Tag im Bett legen oder vor der Play Station hocken“.

10.33 Uhr

Ein ziemlich altbackener Teppich. Die Farbe? Irgendwas zwischen braun, beige und rot. Wirklich hübsch ist das hier ja nicht. Immerhin: Der „Royal Ballroom“ ist so riesig, dass zwei Mannschaften gleichzeitig Platz finden. Als unsere Jungs den Raum betreten, brechen soeben die Berliner auf. Ich gebe Niels Giffey kurz die Faust und sage ihm „Happy Birthday“, während er seine Gymnastikmatte zur Seite räumt. Berlins Kapitän wird heute 29.

10.50 Uhr

Ich sitze ganz hinten in der Ecke, knipse Fotos, mache kleine Videos. Immer so, dass ich so wenig wie möglich auffalle, die Jungs bei ihren Übungen bloß nicht störe. Zufällig hat nun Bruno seine Matte vor meine Nase gelegt. Ob ich ihn wohl sehr nerve, dass ich nur etwa einen halben Meter von ihm weg sitze, um die bestmögliche Aufnahme zu bekommen? Ich poste ein, wie ich finde, ganz witziges Zeitraffer-Video mit mehreren Übungen im Schnelldurchlauf.

10.55 Uhr

Die Stretching-Session dauert noch fünf Minuten, aber ich signalisiere zu Akeem – wir müssen los! Er ist heute für das Mediengespräch der BBL live auf YouTube vorgesehen. Akeems T-Shirt ist angeschwitzt, könnte im Bild gleich komisch aussehen. „Ach was“, sagt Akeem, „das passt so – sieht nach Arbeit aus.“

10.56 Uhr


Während ich an Akeems Seite durch den „Royal Ballroom“ laufe, schauen wir, was direkt vor uns die Ludwigsburger so treiben. Unsere morgigen Kontrahenten. Denn die sind jetzt nach den Berlinern zum Stretching in den Saal gekommen. Akeem grüßt Assistant Coach David McCray sehr freundlich. So wie Akeem es immer macht. Ein sehr feiner, höflicher Mensch eben.

11.02 Uhr

Wir sitzen beim Mediengespräch. Sven Simon von der BBL fragt, wie komisch denn das Gefühl sei, mit seinen Kontrahenten immer so eng beieinander zu sein. Akeem sagt: „Für den einen oder anderen Spieler ist es vielleicht etwas schwierig, den Schalter umzulegen, gerade für die Jüngeren – dass man aus dem lockeren, freundlichen Modus in den Game-Modus kommt. Dieser Fokus, dass für 40 Minuten knallhart abgeliefert wird. Und erst danach ist man wieder Freunde.

11.15 Uhr

Das Mediengespräch ist durch. Schaue auf mein Handy. Instagram-Benachrichtigung: Bruno hat das Zeitraffer-Video geteilt. Hab‘ ihn wohl nicht zu sehr genervt.

12.20 Uhr

Im Speisesaal steht Assistant Coach Klaus Perwas zusammen mit Danilo Barthel, unserem Ex-Spieler. Bei den Nudeln quatschen Leon und Crailsheims Mo Stuckey, zwei frühere Bamberger. Bayerns Alex King direkt neben den beiden, glaube beim Reis, vielleicht auch bei den Kartoffeln. Als Alex sieht, dass ich mit dem Handy ein paar Bilder knipse, stellt er sich direkt neben Leon, macht ein paar Faxen und grinst.

12.25 Uhr

Auf dem Weg zur Salatbar treffe ich Martin Romig, den Geschäftsführer der HAKRO Merlins Crailsheim. Wir plaudern kurz, wie geht’s dir, wie geht’s mir. Die Crailsheimer spielen in der anderen Gruppe, haben die erste Partie gegen Göttingen verloren. Ich wünsche Martin viel Erfolg für die kommenden Aufgaben, hab‘ aber spontan nicht parat, gegen wen es als Nächstes geht.

12.26 Uhr

Als ich weiter zur Salatbar laufe, schaue ich auf mein Handy: heute das frühe Spiel, Crailsheim gegen Bayern. Ist schon verrückt: Ist alles so straff, so eng getaktet hier, mit Social-Media-Kram posten und Tagebuch schreiben bis tief in die Nacht, dass ich eines fast vergesse – wie läuft das Turnier eigentlich?

14.15 Uhr

Bus-Fahrt zum Mannschaftstraining auf dem Bayern-Campus. Die ersten zwei, drei Reihen sind mit einem rot-weißen Klebeband abgesperrt, um genügend Abstand zum Busfahrer zu wahren. Der ist nämlich nicht auf Corona getestet. In der ersten Reihe rechts hinter dem Klebeband: Headcoach Sebastian. Direkt dahinter ich.

14.55 Uhr

Bleibe nur kurz in der Trainingshalle, folge dann Greg in den Athletikraum im ersten Stock. Für die Youngsters Maxi und Jordan hat er sich individuelle Übungen ausgedacht. Zum Beispiel Froschsprünge mit 12 Kilo schwerer Bleiweste. Der noch angeschlagene Leon ist auch mit hochgekommen. Er absolviert ein anderes Programm wie die Jungspunde, schuftet aber genauso hart. Auf der Gymnastikmatte, mit unterschiedlichen Gewichten.

15.40 Uhr

Leon ist meinen seinen Übungen durch, fängt leise an zu singen: „What’s love got to do, got to do with it …“ Alter Tina-Turner-Klassiker. Maxi und Jordan schauen zu ihm rüber. Ich tippe mal, sie kennen das Lied nicht. Leon wiederholt den Text zweimal. Ehe Greg anfängt zu singen: „What is love baby don’t hurt me, don’t hurt me – no more.“

17.00 Uhr

Zurück im Hotel. Interview mit Yorman für unsere morgige Pre-Game-Show. Auf meinem Hotelzimmer 136. Die Handy-Halterung, die ich für wackelfreie Bilder mitgenommen habe, will nicht so wie ich will. Ich stabilisiere das Gerät mit zwei 0,5 Liter Wasserflaschen.

17.40 Uhr

Interview mit Greg für unsere Pre-Game-Show. Wieder helfen die zwei Wasserflaschen.

18.15 Uhr

Video-Analyse vor dem Ludwigsburg-Spiel. Knappe 30 Minuten lang geballter Input. Stärken, Schwächen, individuelle Qualitäten. Assistant Coach Klaus hat das Wort. Hochkonzentrierte Stimmung, die Spieler sagen kein Wort, hören gebannt zu. Die meisten zumindest, hoffentlich. Ich sitze wieder hinten links in der letzten Reihe.

18.50 Uhr

Abendessen. Ich lerne mein zweites finnisches Wort: Lampimampi. Bedeutet: Heizung. Hab aber noch nicht die Rechtschreibung gecheckt.

19.30 Uhr

Steige in den Aufzug mit Akeem und Gytis. Ebenso im Aufzug: Bayerns Headcoach Oliver Kostic. Wir geben uns die Hand, ich gratuliere ihm zum Sieg gegen Crailsheim. Hatte ich eben kurz als Pushmeldung gelesen, dass Bayern klar gewonnen hat. Sonst bekomm‘ ich ja nicht so viel mit vom Turnier …

19.40 Uhr

Interview mit Gytis für unsere Pre-Game-Show. Wieder helfen die zwei Wasserflaschen.

20.00 Uhr

Zoom-Call mit Pressesprecher Thomas. Wir wollen einen Podcast aufnehmen. „Vielleicht so eine halbe Stunde“, meint Thomas.

21.15 Uhr

Wir podcasten immer noch.

21.30 Uhr

Podcast ist im Kasten, das Tagebuch aber noch nicht geschrieben. Obwohl – war da nicht noch was? Stimmt, wollte mit Greg noch ein Abschlussvideo drehen, um den Tag auf den Social-Media-Kanälen abzurunden.

21.45 Uhr

Düse runter in die Lobby, wo Greg das späte Spiel des Tages schaut. Wer spielt? Puh, check ich gleich noch.

21.55 Uhr

Wieder am Laptop angekommen.

22.45 Uhr


Ich schreibe Thomas: „Es wird 23.30 Uhr – sorry.“

23.29 Uhr

Ich schreibe soeben diesen Satz, muss aber noch mal ganz schnell Korrektur lesen. Gaaaanz, ganz flott. Kommt gleich Thomas!

23.36 Uhr

Tagebuch-Mail ist soeben raus. Muss aber noch die Fotos dafür hochladen. Kommt gleich Thomas!


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