Zum Hauptinhalt springen
Letztes Spiel: 82:90 Sa 07.03. in Gießen Bericht

Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr

Finaltagebuch Tag 14 – Ein erster Hauch von Abschieds-Feeling

Unser Mann im Teamhotel, Marcel Friederich, bringt jeden Tag frische Einblicke und Hintergründe in die Abläufe und Geschehnisse rund um das Team während des Finalturniers in München. Am Donnerstag verbreitete sich langsam das Gefühl, dass bald alles vorbei sein dürfte. Und es ungewiss ist, wann und wie es weitergeht.

 

 

Donnerstag, 18. Juni 2020

7.30 Uhr

Morgenroutine: Aufwachen, aufs Handy schauen, News checken und Social-Media-Nachrichten lesen. Besonders freue ich mich über eine Message auf Instagram. FRAPORT SKYLINERS-Anhängerin Annette schreibt mir: „Meine Kids lieben ein noch warmes getoastetes Brot mit Nutella. Nutella muss etwas verlaufen. Vielleicht wäre das etwas für Klaus …“

9.45 Uhr

Sitzen am Frühstückstisch. Klaus? Banane und Nutella. Nix getoastet.

10.55 Uhr

Die Spieler sind längst wieder oben auf ihren Zimmern. Sebastian und Klaus sitzen immer noch am Frühstückstisch, um über die Viertelfinal-Serie gegen Ulm zu sprechen. Über die klare Hinspiel-Pleite und das anstehende Rückspiel. Direkt am Tisch daneben sitze ich, höre zu, gebe meine Meinung ab.

12.05 Uhr

Treffe mich mit Tez bei uns im 1. Stock am Aufzug. Die BBL hat ihn zum Interview gebeten. Keine einfache Situation nach so einem Spiel. Als wir in den Aufzug steigen, sprechen wir kurz, was gefragt werden könnte. Warum gab es diese 40-Punkte-Pleite? Weshalb hat sich die Mannschaft so gehen lassen? Was ist nun für das Rückspiel zu erwarten?

12.08 Uhr

Vor dem Interview-Raum (der, den Klaus niemals betreten will) quatscht Tez mit Ulms Patrick Heckmann. Es geht nicht um das Viertelfinale, sondern um die nächste Saison. Wann wird die kommende Spielzeit starten? Wie viele Zuschauer dürfen in die Hallen? Die Ungewissheit ist riesengroß. Als sich Tez und Patrick darüber unterhalten, wird mir schnell klar, dass dieses Turnier hier natürlich wichtig ist. Aber noch viel wichtiger wird, wie es mit unserem Sport überhaupt weitergeht.

12.15 Uhr

Tez ist an der Reihe bei den Interviews. Die Fragen zum Viertelfinale pariert er souverän. Und nächste Saison? „Da habe ich weiter Vertrag“, sagt der 35-Jährige, „werde wieder am Start sein!“

12.45 Uhr

Interview-Termin mit Sebastian für die Pre-Game-Show. Auf meinem Zimmer, Raum 136, von mir als „kleine Hollywood-Studios“ getauft. Handy-Stabilisator, zwei Wasserflaschen – ihr wisst schon. Sebastian spricht über den Turnierverlauf, die besonders starken Auftakt-Auftritte, der Leistungsabfall gegen Bamberg und Ulm. Über die schwierige Vorbereitung, die lange Quarantäne-Zeit, die Verletzungen – die gesamte kausale Kette, weshalb es so lief, wie es nun lief.

13.20 Uhr

Video-Analyse nach dem Viertelfinal-Spiel. Ernste Worte von Sebastian und Klaus an die versammelte Truppe. Wie konnte dieses 61:101 passieren? Die Coaches zeigen verschiedene Video-Sequenzen, was alles schief lief. 30 Minuten waren angesetzt, am Ende werden es fast 45. Sebastian appelliert an die Jungs, ein besseres Gesicht im Rückspiel zu zeigen. Um mit einem guten Gefühl aus dem Turnier, aus der Saison zu gehen. Ein gutes Gefühl - was nicht nur für die Spieler gilt, sondern genauso für den ganzen Klub, alle Fans. „We need spirit“, sagt Sebastian abschließend.


Tagebuch-Übersicht

Tag 1 | Tage 2 |Tag 3 | Tag 4 | Tag 5 | Tag 6 | Tag 7 | Tag 8 | Tag 9 | Tag 10 |

Tag 11 | Tag 12 | Tag 13 | Tag 14 |


13.50 UhrMittagessen. An den Tischen wird weniger gesprochen als sonst. Es ist zu spüren, wie es nach der Video-Analyse in den Spielern arbeitet.14.30 UhrWenn das Mittagessen vorbei ist, gilt es für mich wie immer schnell zu sein. Und zwar in dem Moment, wenn die Spieler aufspringen, um den Aufzug und ihre Zimmer anzupeilen. Wenn die Jungs durch die Lobby laufen, ist die lockerste Gelegenheit, ihnen zu erklären, dass wir sie zum Video-Interview für die Pre-Game-Show bräuchten. Heute: Akeem und Aaron.14.35 UhrAaron schlägt vor, das Interview direkt zu machen. Finde ich gut, dann ist es abgehakt. Bloß: Die Sache mit der Handy-Halterung, mal wieder ne knifflige Sache. Ansonsten versuche ich, das wacklige Gebilde mit den zwei 0,5 Liter Wasserflaschen schon zu fixieren, bevor die Jungs in mein Zimmer kommen. Doch nun ist noch nix vorbereitet. Aber siehe da, mit zwei, drei Handgriffen ist das Gebilde jetzt stabil. Nach 14 Tagen scheine ich es so langsam in den Griff zu bekommen. Ganz, ganz langsam.15.30 UhrNun kommt Akeem zum Interview. Will nicht übermütig werden. Habe die Handy-Halterung schon paar Minuten vorher aufgebaut.

 

 

18.15 Uhr

Treffpunkt in der Lobby, um zum Training aufzubrechen. Unser Bus ist noch nicht da. Unterhalte mich mit Joe, der Pass-first-Point-Guard aus dem Sonnenstaat Kalifornien. Joe ist ein gesprächiger, angenehmer Typ, er erzählt mir, dass seine Eltern in San Diego alle Turnier-Spieler schauen, dass er später mal Trainer am College werden möchte. Und dass er überhaupt noch nicht weiß, was nächste Saison passiert. Regulärer Saisonstart im September oder später? Zuschauer in den Hallen oder nicht? Reduzierte Gehälter? Joe zuckt mit den Schultern. Nun ist der Bus vor dem Hotel vorgefahren. Wir müssen los.

18.50 Uhr

Jeden zweiten Tag sind wir diesen Weg gefahren. Vom Hotel zum Trainingscampus des FC Bayern. Anfangs war mir gar nicht bewusst, in welche Himmelsrichtung der Busfahrer steuert. Weil ich während der Fahrt meist auf meinem Handy tippe, mich mit Pressesprecher Thomas abstimme oder Postings abschicke. Erst nach ein paar Tagen habe ich realisiert, wohin wir überhaupt fahren, dass uns der Busfahrer in den Süden der Stadt steuert. Heute ist das jedoch anders. Ich schaue keine Sekunde auf mein Handy. Sondern versuche alles aufzusaugen. Viele Trips zur Trainingshalle dürfte es hier ja nicht mehr geben.

19.55 Uhr

Heute vergleichsweise kurzes Training. Einige taktische Hinweise, ein wenig Wurftraining. Nach so vielen Spielen in wenigen Tagen bringt es nichts, jetzt noch eine übermäßig intensive Einheit einzulegen. Als das Training vorüber ist, packt Physio Flo dicke Eispakete auf die Knie von Joe und Yorman, fixiert mit Tapebändern.

20.45 Uhr

Zurück im Hotel, rüber zum Abendessen. Heute nicht am Buffet. Sondern draußen im Innenhof, wo ein leckeres BBQ aufgebaut ist. Steaks und Bratwürste, Spargel und Paprika, Kartoffel- und Gurkensalat. Das Wetter ist traumhaft, 22 oder 23 Grad, super angenehmer Sommerabend. Nicht wie bei unserem ersten BBQ, als es geregnet hatte, wir daher in der Lobby essen mussten. Vorhin beim Training hatte Headcoach Sebastian gesagt: „Enjoy the time together.“ Tun die Jungs. Sie quatschen, lachen, nutzen die gemeinsame Zeit. Heute sind hier alle versammelt, sitzen eng beieinander. Gut möglich, dass sie in wenigen Tagen in alle Himmelsrichtungen der Welt aufbrechen.