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"Es geht primär um den Spieler"

(Freitag, 18. Dezember 2009 von Daniel Rehn)


Die letzten sieben Spiele gingen verloren. In der Folge belegt der DEUTSCHE BANK SKYLINERS Frankfurt e.V. in der ProB momentan mit einer 3:9-Bilanz den 14. Platz. Trainer Harald Stein sieht trotzdem keinen Grund die Alarmglocken läuten zu lassen, denn der Verein hat ganz besondere Pläne.


Harald, aus sportlicher Sicht lief es zuletzt nicht sonderlich rund. Die Mannschaft wartet seit dem fünften Spieltag auf einen Sieg. Wie schätzt Du die Situation ein?


Harald Stein: Das Hauptziel des Vereins ist in erster Linie die Ausbildung von Spielern, um diese auf lange Sicht gesehen an die Profimannschaft heranführen und in den nächsten Jahren in der Rotation zu etablieren. Die Ergebnisse im Ganzen lassen die eigentliche Entwicklung der Mannschaft natürlich schlechter aussehen, als sie ist, aber wir können damit leben.


Wie meinst Du das?


Harald Stein: Nehmen wir einfach die letzten Spiele gegen Herten und Wolfenbüttel als Beispiel. Wir haben im Spiel gegen Herten lange Zeit mit dem Tabellenführer mithalten können, dann aber auf Grund individueller Fehlentscheidungen, die jungen Spielern wie Routiniers passieren können, und Kraftlosigkeit den Anschluss verloren. Ähnlich lief es gegen Wolfenbüttel. Das Team hat sich in die Verlängerung gekämpft und dann den Wurf anstatt den Zug zum Korb gesucht. Davor aber viele richtige Entscheidungen getroffen, sonst hätten wir die fünf Extraminuten gar nicht erst erreicht. So gesehen erscheinen die reinen Ergebnisse also nicht optimal, aber die individuelle Entwicklung der Jungs macht von Spiel zu Spiel Fortschritte.


Also geht es nicht direkt um gewinnen oder verlieren?


Harald Stein: Primär geht es uns um den Spieler. Wie kann er sich verbessern? Wo muss er noch zulegen? Und vor allem: Wie können wir ihm dabei helfen und welche Wege können wir ihm anbieten?

Im letzten Spiel hat Jan Novak zum Beispiel knapp 30 Minuten Spielzeit auf hohem Niveau bekommen und konnte diese auch nutzen. Filmore Beck ist nach über fünf Wochen Verletzungspause wieder eingestiegen und hat seine Leistung gebracht und Fabian Franke holt sich mit seinen Auftritten in der ProB das Selbstvertrauen, das er in der Profimannschaft an den Tag legt. Diese Möglichkeiten anbieten zu können, sind für uns sportliche Erfolge.


Natürlich wollen wir nicht absteigen, aber ebenso wenig ist der Aufstieg kein langfristiges Ziel für uns. Wenn wir uns in der Liga festsetzen können, um den Spielern eine ansprechende Breite an leistungsstarken Gegnern zu bieten, dann ist das für uns okay.


So gesehen ist das also fast schon ein kleiner Luxus, den sich die DEUTSCHE BANK SKYLINERS mit dem Verein leistet.


Harald Stein: Ich würde es nicht als Luxus bezeichnen, sondern vielmehr als eine in dieser Form sehr seltene Freiheit, ermöglicht durch die eigene Lizenz. Nehmen wir unsere aktuelle Mannschaftssituation als Beispiel: Unser Kader umfasst 16 Spieler, von denen drei durch Langzeitverletzungen ausfallen. Dazu noch Gregor Kern, der einen Vollzeitjob ausübt, drei weitere Jugendspieler unseres Kooperationspartners Eintracht Frankfurt, die ihren eigentlichen Schwerpunkt auf der Regionalliga sowie der NBBL liegen haben, sowie Filmore Beck und Fabian Franke, die hauptsächlich mit der Profimannschaft trainieren. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir das Training unter der Woche mit nicht einmal zehn Spielern bestreiten und am Wochenende mit einer ständig wechselnden Rotation auflaufen. Einem Fremdverein wäre diese personelle Struktur nicht zumutbar, da man dort neben langfristigen Erfolgen auf kurzfristige Ergebnisse angewiesen ist. Wir können jedoch die für den Spieler sportlich beste Entscheidung treffen und ihn entsprechend einsetzen, ohne uns vor einem Externen dafür verantworten zu müssen. Das macht es für uns entsprechend leichter, da wir freie Hand haben und es außerdem die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern so gut wie gar nicht beeinträchtigt, sondern ergänzt.


Du hast vorhin Wege angesprochen, die man den Spielern aufzeigen möchte. Welche Wege sollen das sein?


Harald Stein: Damit meine ich die Möglichkeiten, die wir im Verein jedem Einzelnen anbieten können. Individuelles Training steht dabei ebenso im Fokus wie die infrastrukturellen Gegebenheiten der DEUTSCHE BANK SKYLINERS, die vom Physiotherapeuten vor Ort bis hin zu den vielfältigen Trainingsmöglichkeiten gehen, um die Entwicklung der Spieler vorantreiben zu können. Wir zeigen jedem Spieler den Weg, den er beschreiten könnte, zwingen aber niemanden dazu, ihn auch zu gehen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn derjenige das aber will, dann kann er das meiner Meinung nach aber auf jeden Fall schaffen.


Wie gut funktioniert das Deiner Meinung nach bislang?


Harald Stein: Im Großen und Ganzen ist natürlich noch nicht genügend Zeit vergangen, um das bis ins Detail komplett analysieren zu können. Dafür ist das Konstrukt Nachwuchsförderung und –ausbildung im Verein und Profimannschaft als „Endabnehmer“ noch zu jung. Aber das, was bisher praktiziert wird, funktioniert sehr gut. Die Verzahnung stimmt sozusagen. Filmore (Beck, Anm. d. Red.) und Fabian (Franke, Anm. d. Red.) trainieren fast ausschließlich mit den Profis und tasten sich so auch vom spielerischen Niveau her immer mehr an die Mannschaft und das Level heran. Das merkt man dann auch in den Spielen, wenn sie bei uns sind. Natürlich leidet ab und an die mannschaftliche Eingespieltheit darunter, aber da unser Konzept wie gesagt nicht auf einzelnen Spielergebnissen basiert, ist das kein Weltuntergang.


Aber wir sind trotz der Fortschritte in der konzeptionellen Entwicklung des Vereins realistisch genug um zu wissen, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis wir einen im Verein ausgebildeten Spieler zum festen Bestandteil der Bundesligarotation gemacht haben.


Was fehlt denn noch, um das schaffen zu können?


Harald Stein: Als erstes und wichtigstes Element: Zeit. Die Spieler müssen sich in einem ihnen angepassten und gerechten Tempo entwickeln, um ihr Niveau Stufe für Stufe anheben zu können. Um das zu schaffen, braucht es Zweitens Erfahrung. Erfahrung, die jeder Einzelne nur im Spiel sammeln kann, um in den entsprechenden Situationen die richtigen Entscheidungen treffen zu können – und das auf dem höchstmöglichen Level. Darum sind wir so daran interessiert, ein möglichst breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten zu bieten. Wenn jemand reif für die NBBL ist, dann soll er NBBL spielen. Wenn jemand für die Regionalliga geeignet ist, dann spielt er dort. Das geht so lange, bis die Spieler ihr höchstmögliches Niveau erreicht haben, um dann entscheiden zu können, ob sie die von uns gezeigten Wege nutzen wollen, um es in die Profimannschaft zu schaffen.


Nicht zu vergessen sind die konditionelle und körperliche Fitness. Daran arbeiten wir unentwegt, um die Grundlagen für einen guten Spieler bilden zu können. Wenn der Körper nach fast 40 Minuten Spielzeit müde wird, muss jeder im Kopf noch fit genug sein, um zum einen die richtige Entscheidung treffen zu können, und diese zum anderen auch umzusetzen.


Womit wir den Bogen zu den letzten Spielen schlagen würden...


Harald Stein: Genau. Wir waren in den letzten Begegnungen zum Ende hin meistens so müde, dass die richtigen Entscheidungen zwar im Kopf waren, wir aber zu bequem geworden sind und den Wurf dem Drive vorgezogen haben. Man sieht, wir sind noch nicht dort angekommen, wo wir hin wollen, aber wir sind trotz allem auf einem guten Weg.


Harald, vielen Dank für das Interview!