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Ramon hier noch im alten Look mit Bart und Afro

„Erwarte das Unerwartete“ – Ramon Galloway im Gespräch

Verschwitzt sitzt Ramon auf der Tribüne von Basketball City Mainhatten, dem Trainingszentrum der FRAPORT SKYLINERS. Gut aufgelegt nimmt sich Ramon Galloway nach dem Training Zeit für ein ausführliches Interview.

Ramon mit neuem Look und den Tattoos auf den Unterarmen. Phila und delphia steht dort.
Die tätowierten Unterarme von Ramon

„ZOOZ!“ ruft Ramon lautstark Aziz N´Diaye hinterher, der nach der letzten Trainingseinheit aus der Halle schlurft. „Oh Mann, dass ist der schlechteste Spitzname, den ich bisher verpasst bekommen habe“, lacht der 2,13 Meter große Senegalese. Man sieht ihm an, dass er es mit Humor nimmt. Um die Ecke kommt Andy Rautins aus dem Physioraum und packt seine Sachen. „AR, alles klar?“, bekommt er von Ramon gutgelaunt zu hören. „Natürlich, ´Mon“, lautet die Antwort von Andy. Die Stimmung ist gut im Team der FRAPORT SKYLINERS, die gegenseitigen Spitznamen sind ein Zeichen für die gute Teamatmosphäre. Aber jetzt geht es los mit den Fragen ...

Hi Ramon, neuer Haarschnitt?

(lacht) Ja, es war einfach mal wieder an der Zeit einen neuen Look zu bekommen. Ich kann ja nicht die ganze Zeit rumlaufen wie ein Bär oder ein Wolf (grinst). Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Afro und Bart. Vom Irokesen über den High-Top bis hin zu Dreads hatte ich schon so ziemlich jeden Haarstil. Es war einfach Zeit.

Gab es Kommentare von den Teamkollegen?

Ach, wir machen ja sowieso immer Witze mit- und übereinander, also habe ich meinen Anteil schon abbekommen (lacht). Sogar Coach hat schon Witze darüber gemacht. Er hat mich gefragt, warum ich mir meine Haare neu gemacht habe und ob ich eine Date hätte. Ich sagte nein, habe ich nicht. Woraufhin er in seiner trockenen Art meinte: ´Naja, vielleicht kriegst du ja jetzt eins´. Wir haben Spaß…

Du hast also Spaß im Team und in Frankfurt?

Absolut! Die Jungs haben mich toll aufgenommen und mir dann auch ein wenig die Stadt gezeigt. Ich komme meist schon ohne Navigationsgerät zurecht. Ich habe neue Leute kennengelernt und neue Bekanntschaften gemacht. Ja, mir gefällt es hier in Frankfurt. Es ist eine tolle Stadt, in der man sich sehr wohl fühlen kann.

Du kommst ja ursprünglich aus Philadelphia und nicht unbedingt aus der besten Gegend…

… irgendwie stimmt das schon, aber es ist eigentlich so, dass es immer um die Menschen geht, mit denen du dich umgibst. Klar, Philly hat nicht den besten Ruf, aber ich würde es nicht tauschen wollen. Die Stadt und die Leute die darin wohnen haben mich zu dem gemacht, der ich bin. Ich habe viele Seiten kennengelernt. Ich bin nicht mit dem silbernen Löffel im Mund aufgewachsen wie man so schön sagt, aber später konnte ich auch solche Erfahrungen machen.

Insbesondere über Guards die aus Philadelphia kommen hört man immer wieder, dass sie taffe Typen sind. Dawan Robinson kam auch von dort. Kanntest du ihn und stimmt es, was man so sagt?

Ich kannte Dawan vom Hörensagen und über Dritte, aber nicht persönlich. Es stimmt was man sagt. Egal wo du in Philadelphia auf einen Platz kommst musst du es bringen. Wenn du den Clown spielst oder Sprüche bringst, hinter denen nichts steckt, dann kommst du nicht mehr aufs Feld, dich wählt keiner in dein Team und du brauchst eigentlich gar nicht wiederzukommen. Man muss sich jedes Mal aufs Neue beweisen. Ich habe immer gegen Ältere gespielt, dass härtet dich ab, glaub mir (nickt bekräftigend mit dem Kopf)!

Es scheint, als ob du so langsam in die Saison findest. Elf Punkte sowie fünf Rebounds und Assists gegen Braunschweig lesen sich schon mal gut. Wie schätzt du das selber ein?

Ich lerne immer noch und jeden Tag. Ich freue mich, dass es langsam besser wird, bin aber nicht zufrieden. Ich weiß, was für ein Spieler ich sein kann, also arbeite ich weiter hart und motiviere mich ständig neu. Ich will dem Team helfen und das Spiel positiv für uns beeinflussen. Es geht nicht ums punkten, wie du gesagt hast: Rebounds, Assists oder auch in der Verteidigung arbeiten, darüber muss man ins Spiel kommen.

Coach Herbert und du, ihr redet häufig miteinander nach den Trainingseinheiten oder den Spielen. Wie hilft er dir?

Er hilft mir sehr. Wir schauen Videos mit denen er mir erklärt, wo ich wann und wie zu sein habe und was ich tun soll. Er hilft mir meinen Job zu erledigen. Er könnte es sich ja auch leicht machen und einfach erwarten, dass ich die Dinge richtig tue. Aber er nimmt sich die Zeit und gibt mir Ratschläge, das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Aber auch Klaus [Perwas] ist ein toller Trainer, der das Spiel liebt und mit dem wir Individualtraining machen können. Er ist immer in meinem Ohr. Ich dribble im Trainingsspiel einfach nur das Feld runter und er gibt mir trotzdem die ganze Zeit Tipps und erklärt mir Dinge (lacht). Genau das brauche ich, denn früher habe ich immer nur nach Instinkt gespielt, aber hier in Europa musst du das Spiel mehr verstehen und lesen können.

Über deinen Twitter, bzw. Instagram-Account sieht man dich immer wieder mal im Studio oder du sprichst über das Musik-Machen. Was hat es damit auf sich?

Seit ich acht Jahre bin versuche ich mich im rappen. Meine Mom hat wahrscheinlich noch eine ganze Kiste mit meinen ersten Texten und Raps. Es war schon immer eine Leidenschaft und ich kann dabei super entspannen. Es geht darum, sich auszudrücken. Ich bin nicht der Typ der die ganze Zeit Filme oder Serien anschaut, ich höre oder mache lieber Musik. Ich stelle euch mal ein CD zusammen (grinst). Aber im ernst: Am Ende des Tages geht es immer darum seine Familie zu ernähren und neben dem Basketball kann das ja vielleicht auch eine Möglichkeit sein, die ich mir zumindest offen halten möchte und bei der ich Spaß habe. Ich versuche in beiden Bereichen mein Bestes zu geben. So richtig klassisch singen kann ich zwar nicht, treffe aber trotzdem ganz gut die Töne. Frag mal die Jungs aus dem Team, ich singe die ganze Zeit (lacht).

Stichwort Familie: Wie kommunizierst du mit deiner Familie?

(lacht und schüttelt den Kopf) Oh Mann. Jeden den du fragst, wird dir sagen, was für ein schlechter Gesprächspartner ich am Telefon bin. Ich bin einfach mehr dafür geschaffen, von Angesicht zu Angesicht zu reden. Aber klar, ich versuche jeden Tag mit meiner Mom und meiner Familie zu sprechen. Außerdem versuche ich sie alle über Instagram oder Twitter auf dem Laufenden zu halten. So können sie sehen, was ich mache und wie es mir geht. Sogar mein Opa hat jetzt einen Account um mit der Familie und mir in Verbindung zu bleiben (lacht).

Du hast Kinder. Wie alt sind sie?

Ich habe einen Sohn, er lebt in Florida und ist drei Jahre alt. Sein Name ist Ramon jr. (grinst). Mein zweiter Sohn kommt Anfang Januar auf die Welt. Klar ist es schade, dass ich bei der Geburt nicht dabei sein kann, dass war auch schon bei meinem ersten Sohn so. Das Wichtigste ist, dass er gesund zur Welt kommt. Ich hoffe beide werden auch Basketballer, bekommen ein Stipendium, dann wird es nicht so teuer sie auf die Schule zu schicken und machen ihren Abschluss. Ich freue mich schon, die beiden zusammen rumrennen zu sehen. Ich bin ein absoluter Familienmensch, Familie kommt immer an erster Stelle. Ich habe insgesamt neun Geschwister, meine Familie ist riesig.

Was auffällt sind deine tätowierten Arme. Gibt es dazu auch Geschichten? Hast du ein Lieblingstattoo?

(überlegt, schaut sich lange seine Arme an) Das Gesicht meiner Mom (zeigt auf den Hals). Auf die andere Seite kommt das Portrait von meinem Vater.

Am Hals? Hat das nicht sehr weh getan?

Nein, nein. Die nicht. Aber die an den Ellenbogen innen, die waren schmerzhaft. Mein erstes Tattoo habe ich mit 13 oder 14 bekommen. Meine Mom ist jung, sie hatte kein Problem damit. Solange ich was Positives mache, unterstützt sie mich. Wir haben sogar schon mal ein Tattoo gleichzeitig gestochen bekommen. Später habe ich mir dann immer mehr machen lassen und weitere werden folgen. Zum Beispiel habe die Adresse unseres Hauses tätowiert. Ich habe dort lange gewohnt und dort sind so viele Dinge passiert, dass ich die Erinnerungen immer mit dabei haben wollte. Der eine Arm steht hauptsächlich für die positiven Dinge, der andere für eher negative. Zwei Seiten einer Medaille (grinst).

Lass uns nochmal kurz zurück zum Basketball kommen. Demnächst findet der Beko BBL-ALLSTAR Day statt. Hättest du Lust am Slam-Dunk-Contest teilzunehmen?

Klar, wenn ich mitmachen kann, dann wäre ich dabei. Ich halte mich zwar eher für einen ´in-game-Dunker´, aber Spaß hätte ich an der Teilnahme schon. Bislang hatte ich noch nicht so recht die Gelegenheit meine Dunking-Fähigkeiten zu zeigen, aber das kommt schon noch (grinst). Ich habe ja mal beim Dunking-Contest am College teilgenommen. Ich wurde ausgewählt ohne mich angemeldet zu haben, wusste also gar nicht, dass ich dabei bin. Als man es mir dann sagte, hatte ich mir aber noch überhaupt keine Gedanken gemacht, welche Dunks ich machen möchte. Also bin ich sofort in die Halle und habe mir kurzfristig was ausgedacht. Ich glaube, wenn ich hier dabei sein könnte, dann würden mir meine Teammates mit Ideen und Vorschlägen weiterhelfen. Ganz nach dem Motto ´Erwarte das Unerwartete´ (lacht)