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"Das Team arbeitet unglaublich hart" - Charles Barton im Interview

(Montag, 30. Januar 2006 von Jonas Thiele)


Es ist Freitagmittag, das Team hat gerade das morgendliche Training beendet und verstreut sich für den Nachmittag in alle Winde. Für Charles Barton, seit 14 Tagen Head Coach der DEUTSCHE BANK SKYLINERS steht der erste Auftritt im "DEUTSCHE BANK SKYLINERS Magazin" auf rheinmaintv bevor. Ich fahre ihn, damit er rechtzeitig vor Ort ist und sich auf andere Dinge konzentrieren kann. Barton wirkt müde, in Gedanken und scheint leicht abwesend zu sein. Auf der Fahrt kommt es zu folgendem Gespräch, in dem sich Charles als sehr netter, aufgeschlossener und redefreudiger Fachmann herausstellte.


Charles, wie geht es Dir – wie war das Training?

Ich bin sehr müde, aber es geht mir gut. Das Training war großartig, das Team arbeitet unglaublich hart. Was einige Spieler heute mal wieder gezeigt haben, wow! (er scheint sehr beeindruckt)


Auf wen spielst Du an?

Alex und Rudy waren heute unglaublich. Ich denke Alex weiß gar nicht, wie gut er heute war. In einigen Dingen, wie z.B. dem Umschalten von Offense zu Defense, seinem Einsatz in der Verteidigung insgesamt, ist er vielleicht der beste Spieler im Team – er ist unglaublich athletisch. Und Rudy, wenn er das Spiel richtig lernt, kann er es einmal nach ganz oben schaffen, vielleicht könnte er sogar in der NBA spielen – seine Körpergröße ist da nur zweitrangig. Was der Junge schon drauf hat, ist bemerkenswert.


Ich muss Dich nochmal auf das Berlin-Spiel ansprechen. Wie konnte es passieren, dass praktisch über Nacht ein wie ausgewechseltes Team auf dem Parkett stand? Wie war dieses Spiel für Dich?


Ich hatte schon einige große Spiele in meinem Leben, in der Euroleague, gegen CSKA Moskau beispielsweise oder das Pokalfinale in Griechenland. Das Spiel gegen ALBA aber war auch für mich absolut einzigartig, es gehört zu den ganz wenigen Spielen, die so großartig waren, dass man es wohl nie vergisst. Selbst in der Aufzeichnung spürt man diese unglaubliche Energie, die an dem Tag in der Luft, in der Halle, im Team war. Sogar meine Kinder schauen sich dieses Spiel immer wieder an.


Wie siehst Du die aktuelle Gesamtsituation?

Es ist für mich eine riesige Herausforderung, die Situation ist sicher nicht einfach. Ich bin jetzt dabei, an Dingen zu arbeiten, die im September hätten passieren müssen. Wir stehen mitten in der Saison, das Team war am Boden und wir müssen an allen Ecken und Enden Dinge verbessern. In erster Linie müssen die Jungs ihr altes Selbstbewusstsein wieder finden und verinnerlichen, dass sie spielen können. Wir arbeiten an der Einstellung, an den Skills, an Offensiv- und Defensivsystemen, es gibt so viel zu tun...


Aber das Team hatte doch eine Saisonvorbereitung und in der Bundesliga und im  ULEB-Cup viele Möglichkeiten, sich als Team zu finden und das Zusammenspiel zu lernen?

Ja, aber die Teile haben einfach nicht zusammen gepasst. Wir haben großartige Spieler, tolle Charaktere im Team. Vielleicht sind sie nicht die Besten, aber sie arbeiten hart und spielen mit Herz und Verstand. Das Problem ist – sie müssen jetzt in kurzer Zeit mein Spiel verstehen. Ivan Sunara hat in vieler Hinsicht auf ganz andere Dinge Wert gelegt. Wir spielen jetzt anders in Offense und Defense. Ich liebe das schnelle, dynamische, athletische Spiel!


Wir parken vor dem Studio. Charles muss kurz in die Maske und bekommt einige Instruktionen und Erklärungen, was ihm bevorsteht. Er wirkt jetzt konzentriert und informiert sich über die Fragen, die ihm gestellt werden. Die Aufzeichnung verläuft professionell. Bevor wir das Studio verlassen, informiert er sich noch über aktuelle Tennis-Ergebnisse und fragt, ob es nicht jemanden gibt, mit dem er einmal spielen könne. Außerdem wird er gebeten, zur Erinnerung seine Unterschrift neben zahlreiche andere auf einer Stellwand zu hinterlassen und so schreibt er in großen, geschwungen Buchstaben: „Charlie Barton“.


Hast Du lange gezögert, als Dir angeboten wurde nach Frankfurt zu kommen?

Nein. Der Club hat international einen sehr guten Ruf. Letztes Jahr war ich in Verhandlungen mit verschiedenen Top-Clubs in Europa, u.a. in Russland, Italien, Spanien – aus irgendwelchen Gründen hat es nie geklappt. Mit Frankfurt kam dann ein Club, bei dem ich trotz der schwierigen sportlichen Situation sehr schnell zugesagt habe. Hier stimmt einfach alles andere, die Organisation, der Ruf, das Umfeld. Spätestens als ich die Spieler zum ersten Mal sah wusste ich, dass ich das machen möchte – wir haben tolle Spieler.


Bist Du zufrieden mit den vertraglichen Bedingungen?

Ich habe mir den Vertrag zwar vor ein paar Tagen mal angeschaut, ihn aber immer noch nicht komplett gelesen. Ich weiß auch immer noch nicht, was ich genau verdiene, das sehe ich dann auf meinem ersten Gehaltsscheck. Woanders würde ich vielleicht mehr verdienen, aber darum geht es mir nicht, darum ging es mir nie! Ich liebe die Herausforderung, darum bin ich hier!


Hast Du Angst einen Ruf zu verlieren?

Ich habe darüber nachgedacht, die Situation ist schon hart. Aber jeder weiß, dass es nicht einfach ist, wenn man ein Team Mitte Januar in einer solchen Verfassung übernimmt. Ich sehe meine Aufgabe darin, das Team von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel besser zu machen und arbeite Tag und Nacht daran. Im Moment schlafe ich kaum, weil ich mir Gedanken über die Probleme und die Situation mache, darüber an welchen Rädchen wir überall drehen müssen um wieder erfolgreich Basketball zu spielen. Nein, meinem Ruf wird meine Arbeit in Frankfurt nicht schaden.


Wie würde das Team aussehen, wenn du es zusammengestellt hättest?

Es sähe wahrscheinlich ein wenig anders aus. Ich stelle mir gerne meine eigene Mannschaft zusammen. Ein Team ist eine sehr komplexe Sache, da muss alles zusammen passen. Du kannst nicht einfach hier und dort einen Top-Spieler verpflichten und davon ausgehen, dass daraus auch ein gutes Team wird. Ich schaue mir Spieler lange und sehr genau an und führe intensive Einzelgespräche. Ich schaue, ob die Einstellung stimmt, ob es sportlich, menschlich und charakterlich passt. Meine Spieler müssen mit Einsatz, Herz und Leidenschaft Basketball spielen, das beschwöre und erwarte ich.


Welchen Einfluss hat der bisherige Saisonverlauf auf Dein Coaching, wie entscheidest Du beispielsweise, welcher Spieler wie lange spielt?

Das sehe ich doch. Ich weiß genau, wer spielen muss! Viel schwieriger ist die Frage, wer auf der Tribüne sitzen muss, dieser Punkt macht mir mit am meisten Sorgen. Die Verletzungsmisere und die daraus resultierende Aufstockung des Kaders haben für diese denkbar unangenehme Situation gesorgt. Schon jetzt müssen immer wieder 2-3 Spieler aussetzen. Was machen wir, wenn Nino zurück kommt? Wie soll man sich den Spielern gegenüber verhalten, die im Moment Tag für Tag hart arbeiten? Jeder hat es verdient zu spielen.


Wie wird es weiter gehen?

Wir werden sehen. Trotz der schwierigen Situation bin ich sehr glücklich darüber, hier zu sein – ich liebe den Club und das Team. Wir werden hart arbeiten und ich würde mich freuen, wenn ich die Chance bekommen würde, hier von Saisonbeginn an, inklusive der Kaderplanung und Vorbereitung das Team auf meine Art und Weise einzustellen. Ich bin sicher, wir könnten Großes erreichen.